Das humanistische Paradoxon

Der Humanismus hat einige Ideologien, die sich auf, wie ich meine, veraltete Weltanschauen beziehen. Zum Beispiel glaubt er die einzige gültige tolerante Instanz zu sein. Der Gott der Toleranz, sozusagen.

Toleranz gehört zu seinen Grundprinzipien. Aber, nur gegenüber jenen, die selbst Toleranz sind. Wer intolerant ist, der dürfe mit Intoleranz bestraft werden. Wer dem aktuellen, humanistischen Bildungsideal glücklicherweise enteilt ist, der dürfte das Problem erkennen.

Wenn A eine Eigenschaft zeigt, die B für Intoleranz hält, so darf B Intolerant sein. Kommt nun ein C hinzu und sieht B intolerant gegenüber A, so dürfte er, insofern er Humanist ist, Intolerant gegenüber B sein.

Das diese zu einer infiniten Spirale der Intoleranz führt, ist logisch und entspricht der Grundannahme heutiger Mainstream-Humanisten, dass der Mensch im Grunde ein böses Wesen ist. Ob hier das Böse nicht vielmehr im System liegt und den Mensch nur so werden oder erscheinen lässt – wie in einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung – sei mal dahingestellt.

Vielleicht mag jetzt noch der ein oder andere Old-School-Humanist sagen, dass dies ja nicht der eigentliche Humanismus sei. Ja, diese Art von Occupy-Bewegung okkupiert nicht nur Orte und Kultur, sondern auch Ideen und Worte, mir ist das bewusst. Aber die Bedeutung eines Wortes liegt nicht in seinem Ursprung, sie liegt im Kontext und wenn der Kontext eine totalitäre Idee ist, dann möchte ich dieses Wort nicht mehr gebrauchen.

Ich plädiere vielmehr dafür, dass man sich abwendet und neues entwickelt. Eine neue Idee, eine neue Kultur oder ein neues Ideal. Sollen sich doch ewig gestrige an den alten Dingen abarbeiten und heimlich einem Konservatismus frönen, welcher letztlich noch nie für neue Impulse gesorgt hat. Irgendwer muss ja vorangehen, wenn es die bisherigen Ideen nicht getan haben – oder eben nur mit Gewalt erzwingen konnten. Aus freien Stücken einen Schritt zu tun, dass sollte der Weg sein.

Freiheit

Der Begriff der Freiheit wird gerne von Menschen pervertiert, die keine Freiheit im Sinn haben, wenn sie über sie sprechen. Oder solchen, die das Recht etwas zu tun mit Freiheit verwechseln – sie vermarkten es dann als „Positive Freiheit“. Nicht selten ist Freiheit dann ein Privileg jener, die im Gleichschritt mitmarschieren. Und wer nicht gehorsam ist, dem werden die Rechte wieder entzogen. Strafe muss sein. Ein sehr altes und veraltetes Weltbild, wie ich doch behaupten darf!

Freiheit ist mehr als das, was einem andere erlauben zu tun. Freiheit ist auch mehr als nur zu tun was man möchte. Freiheit ist auch das zu unterlassen was anderen von einem verlangen. Freiheit ist Ja und Nein zu sagen.

Freiheit ist dem Menschen von Natur aus gegeben. Es ist kein positives Recht, welches von einer dritten Gewalt, einem Gott, Staat oder sonstigem imaginären Freund, verliehen wird. Es ist ein natürliches Recht, wie das Recht auf Leben, dass durch die bloße Existenz des Mensch zuteil wird.