Adorno

„[…] Wenn sie leben wollen bleibt ihnen nichts übrig als dem gegebenen sich anzupassen, sich zu fügen, sie müssen eben jener autonome Subjektivität durchstreichen, an welche die Idee von Demokratie appelliert. Sie können sich selbst erhalten, nur wenn sie auf ihr selbst verzichtet. Den Verblendungszusammenhang zu durchschauen mutet ihnen eben die Anstrengung und Arbeit der Erkenntnis zu, an welcher die Einrichtung des Lebens nicht zuletzt die zur Totalität ausgebreitete Kulturindustrie sie verhindert. Die Notwendigkeit solcher Anpassungen zur Identifikation mit bestehendem, gegebenen, mit Macht als solcher, schafft ein totalitäres Potenzial. Es wird verstärkt von der Unzufriedenheit und der Wut die eben jener zwang zur Anpassung produziert und reproduziert.[…]“

Adorno

Man könnte sagen, wer die Geschichte nicht kenne, müsse sie wiederholen. Ich denke, an der Stelle sind wir. Das System Faschismus sollte von den ungebildetsten, also Schülern und Studenten, vernichtet werden. Sprich, die, die noch keine ausgeprägte Identität besitzen, sollten in irgendeiner Weiße zu einer Sache bewegt werden, die sie selbst, nach Bekunden der Prediger, nicht überschauen können. Das ganze darf man natürlich nur deshalb, weil man die einzig Wahren wären. So wie die Kirche die einzig Wahre war.

Das erklärt, weshalb es in dieser postmodernen Gesellschaft keine Meinungsfreiheit geben darf. Diese nämlich könnten zu Gedanken führen, die der Gleichschaltung aller Schäfchen entgegenstehen. Letztlich wissen die Protagonisten darum, wen und wann man rekrutiert. Sie haben diese Büchse der Pandora geöffnet und können nicht mehr anders, als alle davon fern halten. Es ist wie eine neue Bombe, die man nur zum guten Zweck verwendet will, bis die, die dieses Wissen entdeckt und angewendet haben, erkennen, dass andere das selbe tun könnten. Wie weitsichtig man im egoistischen Handeln doch sein kann…

Nun war es auch immer wieder die Strategie, das System von innen heraus zu bezwingen. Bis man an den Punkt gelangt, an dem einen das System Vorteile verschafft. Jede Revolution moderner Ideologien gelangt an diesem Punkt. Vielleicht stagniert die Umwälzung auch deshalb, weil man die Potentiale erkennt, die das System bietet. Also nimmt man die Kultur an um, ähnlich wie bei der Schändung der Kinder, sie niemanden anders in die Hände fallen zu lassen. Am Ende steht eine Sammlung von grausamen Methoden, die man gegen alle anderen Ideologisten anwendet, alles im Zeichen des Guten, versteht sich. Die Macht als solche schafft die Voraussetzung des Totalitären, sagt Adorno. Amen.

Und er spricht von einem totalitären Kulturwesen, die verhindern will, dass man mutig den Weg der Aufklärung geht. Kennt man das nicht? Gerade in der heutigen Zeit ist es notwendig, im Gleichschritt zu gehen um überhaupt in Radio und Fernsehen aufzutauchen. Es ist heute so, als würde man versuchen, die Kirchen zu infiltrieren um dort seine eigene Ideologie zu verbreiten. Statt jedem die Möglichkeit zu geben, sind es nur wenige, die von den mit Drohung eingeforderten Milliarden profitieren. Mut und Intellekt braucht man in diesem System nicht, man muss nur möglichst wirksam mitschwimmen können. Was in der Politik als Vetternwirtschaft verurteilt und trotzdem praktiziert wird, ist im Kulturbetrieb obligatorisch. Das Instrument der Propaganda, welches wir zum Instrument der Freiheit umfunktionieren wollten, ist wieder das, was es war. Damit stirbt die Meinungsfreiheit und es ebnet den Weg zu einem postmodernen Faschismus.


Was kann die freie Gesellschaft daraus lernen?

Wir müssen die Kinder schützen, am besten, in dem wir ihnen ermöglichen, in einer von vielen Kulturen aufzuwachsen, aus die sich sich selbst befreien können, indem sie erwachsen werden. Die Wurzeln der Kultur und die Flügel des Ausbrechens sind es, die sowohl dem Menschen, als auch dem friedlichen, interkulturellen Austausch dienen. Das erkennen und anerkennen des Fremden, aka Toleranz, ist die eigentliche Basis und der Charakter einer friedlichen Gesellschaft.

Wir lernen auch, dass eine Revolution nicht im oder durch das zu revolutionierende System geht. Den Charakter des System können wir, wegen seiner Informellen Struktur, die zu dessen Funktion notwendig ist, nicht ändern. Vielmehr werden wir Teil dieses Systems. Wenn, dann müssen wir das System ändern. Am besten beginnen wir damit, uns der Strukturen zu entledigen, die gefährlich waren uns sind: Staatlicher Kulturbetrieb, staatliche Bildung, und vieles vieles mehr…

Die Basis kann nur Vielfalt sein. Ich denke, dass eben jene Konformität, die allen Staaten abverlangt wird, das Problem ist. Sie verhindert, dass, wenn wir besagte Strukturen vermeiden wollen, alternativen entwickeln können. Das alles gleich sein muss, von der Kleidung bis zum Denken, ist das Totalitäre. Diversität beginnt dahinter, indem man neue Modelle entwerfen und ausprobieren kann. Diesen Mut kann man nur aufbringen, wenn man Wurzeln hat, sich also im Zweifel auch fallen lassen kann. Was für die individuelle Idendität gilt, gilt auch für Gemeinschaften. Das System ist das, was wir leben.

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