„Zum Wohle der Nation“

Triggert der Name? Dann passts ja 🙂

Wir leben in einer Zeit des Wandels. Das sagen alle. Schon sehr früh, noch vor dem ersten Lockdown, sagte mir eine Bekannte: „Jetzt werden die Gutmenschen gewinnen“. Krasse Vorhersage aber auch irgendwie prophetisch, oder? Auf der anderen Seite höre ich ähnliches und eine Reihe von Menschen beklagen sich über die neue Zeit dieser Gutmenschen. Vor allem Konservative. Auch nicht gerade das, was man sich wünscht. Was ist, wenn man Abseits dieses Schwarz-Weiß-Denkens lebt oder leben möchte?

Was stört mich an der neuen Zeit?

Es beginnt mit der penetranten Autorität. Das, was Kritiker und Philosophen heute den Totalitarismus nennen und auch als „Sanfter Totalitarismus“ genannt wird, braucht eine starke Autorität. Seit ich den Liberalismus kenne, gibt es die Kritik an der Linken, die eben den starken Staat suchen. Als Kind war mir das nicht bewusst, es war einfach die Alternative zum aktuellen Stand. Irgendwann bin ich durch diese kognitive Dissonanz und habe akzeptiert, was war und was ist.

Die Autorität ist überall. Was darf man sagen und was nicht. Was darf man meinen und was nicht. Was ist die Wahrheit und was nicht. Was ist richtig und was ist falsch. Alles ist genormt und muss unter Androhung von Gewalt „freiwillig“, wie man heute sagen würde, eingehalten werden. Sehr Abstrakt gesehen entspricht diese neue Zeit dem, was in Nordkorea abgeht. Es ist nichts anderes, nur bunter angemalt. Nur kann das für jemanden, der genau hinsieht, nicht über dem hinwegtäuschen, was drin steckt. Form follows function, egal in welcher Farbe.

Everything is Marketing… und dieses Vortäuschen falscher Tatsachen stört mich. Alles, was wir heute durch die Medien geliefert bekommen, ist Werbung. Medien sind in einer Theorie alles, selbst Wörter sind Medien. Das heißt, dass jedes Symbol, jedes Wort, Farben, bis hin zu Handlungen, emotional und/oder mit Bedeutung aufgeladen werden. Diese Aufladung erfolgt mit einem Ziel: Es soll sich gut anfühlen für den Menschen, wenn es der Sache dient, und schlecht, wenn nicht. Ob es Gut oder Böse ist, ist nicht relevant an dieser Stelle. Da diese Beeinflussung nicht wie Beeinflussung aussieht und auch nicht wie sonst in Werbeblöcken und Anzeigeteilen erscheint, erkennen viele Menschen diese nicht.

Und so kommt es, dass sich Bewegungen mit dem Wort Liberal schmücken und etwas ihrer Offenheit zeigen, die sie dem bisherigen System entgegenzusetzen haben. Dahinter verbirgt sich aber alles andere als Liberalismus, denn auch dort werden abweichende Ideen mit der bereits erwähnten Ausgrenzung bestraft. Wir erleben, wie alles dem Klimaschutz unterworfen werden soll, vergessen dabei aber den Umweltschutz und kleiden uns in Plastik. Sie reden von Vielfalt und meinen damit eine einheitliche, gleichgeschaltete menschliche Kultur in der wir in jeder Stadt dieser Welt einen H&M, KiK und IKEA mit der selben Auswahl an Produkten finden werden. Was ich aber letztlich will ist eine Welt ohne gebrochene Werbeversprechen, und das mein Körper und mein Geist in Frieden gelassen werden!

Mich stört die extreme Intoleranz. Wir beginnen eine Zeit, in der Menschen ausgegrenzt, abgewertet und psychologisch fertig gemacht werden. In dieser neuen Welt scheint mir dieses Handeln als ethisch gerechtfertigt. Welche Ethik ist das, die zulässt, dass man Menschen nicht wie Menschen behandelt sondern jede wissenschaftlich festgestellt und erwiesene Methode, auf Menschen einzuwirken, durchführbar ist? Wenn es für Ethik und Moral eine Grundlage gegeben hat, dann doch vielleicht die der Natur der Menschen und des Lebens. Aber anstelle auf natürliche Rechte zu setzen, scheint es mir, als würde die Vernunft siegen und alles was wir uns an Schandtaten erdenken können, wären ab jetzt wieder Ethisch korrekt und moralisch ist nur der, der wirklich zuschlägt.

Was stört mich an der Opposition?

Das ewig Gestrige. Wenn ich mich in dieser Welt umsehe, dann finde ich oft Menschen die in einem Konservatismus festhängen, den ich für schädlich halte. Sie haben ihr Weltbild vermutlich nie an die Realität angepasst und, so ist es unter Konservativen womöglich immer, nicht weiterentwickelt! Ich mag auch nicht zurückgehen, auch da war nicht alles Gold was glänzte. Ich will nach Vorne und Nationalismus, Konservatismus, Sozialismus, usw. hinter mir lassen.

Ich mag das gejammere nicht. Wenn erwachsene Menschen quengeln wie kleine Kinder, dann vergeht mir jede Laune mit ihnen zu arbeiten, geschweige ihnen zu helfen. Nur wenn ich mir Podcasts alternativer konservativer Medien anhöre, in denen alle möglichen Menschen zu Wort kommen, dann höre ich oft wie sie über Deutschland jammern und schlecht reden. Diese unprofessionelle, ja kindliche Art, die Ebene zu wechseln, mag ich einfach nicht.

In dieser alten Zeit spielt Politik eine große Rolle. Einige wenige sollten entscheiden, was gut und richtig ist. Und bei alle dem ging es immer nur um das bewahren bestehender Verhältnisse, niemals um das schaffen neuer Möglichkeiten und Alternativen. Bei allem, was an Aufbruch versprochen war, es sind gebrochene Wahlversprechen.

Wer glaubt ich würde die Konservativen schonen… Nein, sie sind so konservativ, dass es nur die wenigen Ideen gibt, die mich stören können 🙂

Das fehlende Angebot

Im Moment fehlt mir also ein Angebot, mit dem ich schwanger gehen könnte. Die eine Seite überzieht es in gewisser weiße und basiert auf einer Philosophie, die mich als Mensch nicht würdigt, die andere Seite würde das eventuell tun, ist aber in der Vergangenheit nicht besser gewesen und zeigt im Moment vor allem selbst keine Perspektiven sondern romantisiert bestenfalls von einer Zukunft wie in der Vergangenheit.

Für viele Menschen, die den Weg nicht mitgehen wollen, haben keine Alternative. Man kann heute nur zwischen Pest und Corona wählen. Und wenn man sich für einen Weg entscheidet gibt es nur Sekt oder Selters 🙂 Jedenfalls müssen wir der Gesellschaft heute eine bipolare Störung diagnostizieren. Es gibt nur sehr Geil oder sehr Scheise. Entweder man zieht mit oder ist raus. Entweder die Idee bekommt ein Doppelplus oder ebenso viele Minusse. Depressive Phasen wechseln sich mit euphorischen Phasen ab. Wie soll man da als Mensch glücklich werden, wenn die Meute vom einen Extrem ins andere Schwankt? In der Sprache haben sich diese Extreme tatsächlich bereits niedergeschlagen.

Und so stehen im Moment zwei, vielleicht drei Alternativen zu Verfügung, die wir noch nicht mal, dank des gesellschaftlichen Drucks, frei wählen können. Auf der einen Seite eine progressive Welt, die zwar neues probiert, in der aber, wie die Vergangenheit gezeigt hat, Überwachung, Schikane und Mord eher üblich waren. Das ganze gepaart mit einer Einen-Welt-Ideologie, in der wir die Musik hören müssen, die der König oder ein Rat aus Königen, vorschreibt. Unsere Grenzen im politischen Sinn würden wegfallen, dafür werden wir Grenzen in den Köpfen errichten – wenn nicht schon geschehen – Überhaupt leben wir dann in einer Welt der bloßen Vernunft, die durch Kommissionen, Räte und Politbüros gestaltet wird. Der Mensch spielt dabei keine Rolle, er ist lediglich das zu manipulierende Objekt zum Wohle der Nation oder wie immer man das System gerade nennen mag.

Auf der anderen Seite steht eine Welt, die bestenfalls aus Bequemlichkeit attraktiv erscheint. Man müsste sich nicht umgewöhnen, alles hat seinen Platz und funktioniert auch irgendwie. Doch es gibt Dinge, die man verändern hätte müssen und die dieser Welt auch auf die Füße gefallen ist: Umweltschutz zum Beispiel, kulturelle Offenheit, fehlende Neugier und Angebote. Sie haben ihre Welt und ihre Idee nie der Revision unterzogen, wenn, dann nur die der Anderen. Eine Skepsis allem fremden gegenüber, und das biedere Leben auf der Couch der 1950er hat sie verharren und einrosten lassen. Sie haben ihre Komfortzone nie verlassen und scheinen sie auch jetzt nicht mehr verlassen zu wollen. Ich will ihnen zugute halten, dass vor allem mit dem Alter und dem Wunsch nach Erhalt einer bestimmten Kultur der Konservatismus erst entwickelt. Auch Progressivsten werden früher oder später zu Konservativen, es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch sie auf ihre Regeln beharren werden weil die jungen Menschen halt eben progressiv sind. Zu lange haben alte Konservative an ihrem Einfluss festgehalten, so dass jetzt nichts da ist, womit man sich wohlfühlen könnte. Politiker, die in gleicher weiße autoritär agieren, wie wir es nur aus der Praxis deren Opposition kennen, tun ihr übriges zur Unattraktivität dieser Alternative.


Was wir also brauchen sind neue Ideen. Wir können gerne bewährtes erhalten, müssen aber auch neue Ideen zulassen. Wir müssen neue Grundlagen, vor allem philosophischer Natur, sprich Abstrakt, schaffen und darauf aufbauend neue Systeme probieren. Kriege, die oft nur aus Ideologischen Gründen geführt werden, politische Spielchen mit allen Auswirkungen, Grenzen, den Systemen der Macht und vielen anderen Dingen, die das Individuum bestenfalls krank machen, brauchen wir nicht mehr. Wir brauchen Offenheit, wir brauchen kulturellen Austausch, wir brauchen Neugierde und ein neues Bewusstsein zu dem was wir sind: Natur.

Nur ein solches Angebot gibt es heute nicht. Vielleicht brauchen wir etwas, was ich den Regionalismus nenne.

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