Kein Gott – Kein Staat – Kein wirkliches Ideal

Der ersten Idee, die mich begeistert hat, war die der Anarchie. Zwar habe ich, aus heutiger Sicht, nicht verstanden, was die Propagandagesänge für eine Bedeutung hatten, aber ich denke schon, dass mir bewusst war, was mit „Kein Gott, kein Vaterland, kein Eigenkapital“ gemeint war, bzw. wohin die Reise gehen sollte, die zugrunde liegende Philosophie kannte ich nicht – sie wird ja auch nicht besungen oder so.

Mit etwas Abstand muss ich sagen, dass ich weiterhin Anarchist bin. Gemerkt habe ich das, als ich den Anarchokapitalismus kennengelernt habe. Etwas, was ich zum Wohle meines meinem linken Ideal unterdrücken musste, durfte auflegen. Seit dem interessiere ich mehr für Philosophie. Und nach mehr als einem Jahrzehnt und vielen Gedanken und Eindrücken kann ich meine Interpretation eines modernen Anarchismus festhalten.

Man kann natürlich noch hergehen und das Aufschreiben, wofür Anarchismus steht. Ich fände die Herangehensweise auch schöner, eine reine Antihaltung ist jetzt nicht sonderlich Attraktiv. Aber weil es mit drei Antihaltungen mal angefangen hat, möchte ich mit meinen drei Antihaltungen anschließen, ehe ich irgendwann mal schreiben werde, wofür aus meiner Sicht Anarchismus steht.

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Gendern

Die Debatte um das Gendern ist voll entbrannt. Gendern heißt, dass wir der Sprache das Geschlecht entziehen wollen, in etwa so wie im englischen, dass alles Sachlich sei. Für Physikalisten und Humanisten ist das sicher eine abgemachte Sache, dass alles in unserer Welt etwas unbedeutendes ist und keine besondere Betonung verdient. Dabei ist Gendern eigentlich der falsche Begriff.

Gendern heißt, jemanden in die männliche oder weibliche Ecke zu rücken. Dabei ist es ein Anti-Gendern. Der Sprache soll das Geschlecht ja entzogen werden. Naja, dass nicht immer drin ist, was drauf steht, sollte jeder gebildete Bürger ja bereits kennen.

Vornehmlich soll es darum gehen, die sprachliche Ausbildung von Begriffen so weit zu verändern, dass man ihre Herkunft nicht mehr anmerkt. Diese ist aus einer Zeit, in der die Rollenteilung noch sehr extrem war, als Mädchen noch rosa trugen, Jungs hingegen blau. Vor allem die Berufsbezeichnungen sind hier Betroffen, da die meisten Berufe unserer technologiebasierten Gesellschaft, durch Männer ausgeübt wurden. Der Kellner (?), der Maurer, der Arzt, usw.

Dabei wird unterstellt, dass diese Bezeichnungen einen diskriminierenden Charakter hätten, würde man die männliche Form weiterhin verwenden. Konkret heißt das, weil die Namen patriarchalen Ursprung sind, sind sie diskriminierend.

Sprachwissenschaftlich befinden wir uns hier im Mittelalter… Es ist ein veraltete und widerlegte Idee, dass die Bedeutung im Ursprung des Wortes stammt. Wir sprechen hier von einer idealistischen Weltauffassung, die jene Menschen an den Tag legen. Was aber macht die idealistische Philosophie, die heute ohnehin kaum mehr vertreten wird, in einer materialistischen Gesellschaftsströmung? Weil man damit so schön Politik machen kann? Und warum sind eigentlich Marx und Lenin keine alten weißen Männer? Okay, ich schweife ab 🙂

Eine weiteres Argument ist, dass es psychologisch etwas bewirkt, wenn man sich das anhören müsse. Die Frage ist, was es bewirken soll. Am Ende entsteht Bedeutung im Kontext. Das heißt, wer einen liberalen Geist in sich trägt, der hat kein Problem mit den Begriffen. Wer aber ideologisch so derart Anti-Patriarchalisch eingestellt ist, den triggert es eben, wenn ein Wort eine männliche Form besitzt. Und da es inzwischen eine entsprechende Gegenbewegung unter Männern gibt, quasi der Beginn eines neuen Patriarchats – danke Feminismus, wir (liberalen) waren auf dem besten Weg das hinter uns zu lassen – wird es nicht ausbleiben, dass es Menschen geben wird, die sich an der weiblichen Form eines Wortes stören werden…

Unter dem Strich haben also nur jene ein Problem mit der Sprache, die bereits anderweitig nicht auf der Höhe der Zeit sind. Gendern ist, ganz im Sinne der christlich-sozialistischen Gesellschaftsordnung, ein Weg zurück ins (dunkle) Mittelalter. Universitäten, das Propaganda… ähh freie Staatsfernsehen, kirchliche Einrichtungen, Parteien, die meisten, die gerne andere beherrschen wollen und mit Hingabe einem platonischen Staat entgegenstreben, machen mit und nehmen dementsprechend Einfluss indem sie das tun, was sie der alten Form der Worte unterstellen: sie manipulieren den, von ihnen selbst unbemittelten, Menschen.

Sowohl die Idee hinter dem Gendern, als auch die Konklusio lassen darauf schließen, dass wir es hier nicht mit Sprachwissenschaftlern und Psychologen zu tun haben, wie sie vorgeben zu sein, sondern mit Ideologen einer Minderheit, die möglicherweise nur missbraucht wird, um Politik zu machen und uns geradewegs in das führt, was wir eigentlich bekämpfen wollten. Hierarchische, weiße, patriarchalische Strukturen. Ob das gewollt war und ist?

Das humanistische Paradoxon

Der Humanismus hat einige Ideologien, die sich auf, wie ich meine, veraltete Weltanschauen beziehen. Zum Beispiel glaubt er die einzige gültige tolerante Instanz zu sein. Der Gott der Toleranz, sozusagen.

Toleranz gehört zu seinen Grundprinzipien. Aber, nur gegenüber jenen, die selbst Toleranz sind. Wer intolerant ist, der dürfe mit Intoleranz bestraft werden. Wer dem aktuellen, humanistischen Bildungsideal glücklicherweise enteilt ist, der dürfte das Problem erkennen.

Wenn A eine Eigenschaft zeigt, die B für Intoleranz hält, so darf B Intolerant sein. Kommt nun ein C hinzu und sieht B intolerant gegenüber A, so dürfte er, insofern er Humanist ist, Intolerant gegenüber B sein.

Das diese zu einer infiniten Spirale der Intoleranz führt, ist logisch und entspricht der Grundannahme heutiger Mainstream-Humanisten, dass der Mensch im Grunde ein böses Wesen ist. Ob hier das Böse nicht vielmehr im System liegt und den Mensch nur so werden oder erscheinen lässt – wie in einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung – sei mal dahingestellt.

Vielleicht mag jetzt noch der ein oder andere Old-School-Humanist sagen, dass dies ja nicht der eigentliche Humanismus sei. Ja, diese Art von Occupy-Bewegung okkupiert nicht nur Orte und Kultur, sondern auch Ideen und Worte, mir ist das bewusst. Aber die Bedeutung eines Wortes liegt nicht in seinem Ursprung, sie liegt im Kontext und wenn der Kontext eine totalitäre Idee ist, dann möchte ich dieses Wort nicht mehr gebrauchen.

Ich plädiere vielmehr dafür, dass man sich abwendet und neues entwickelt. Eine neue Idee, eine neue Kultur oder ein neues Ideal. Sollen sich doch ewig gestrige an den alten Dingen abarbeiten und heimlich einem Konservatismus frönen, welcher letztlich noch nie für neue Impulse gesorgt hat. Irgendwer muss ja vorangehen, wenn es die bisherigen Ideen nicht getan haben – oder eben nur mit Gewalt erzwingen konnten. Aus freien Stücken einen Schritt zu tun, dass sollte der Weg sein.

Freiheit

Der Begriff der Freiheit wird gerne von Menschen pervertiert, die keine Freiheit im Sinn haben, wenn sie über sie sprechen. Oder solchen, die das Recht etwas zu tun mit Freiheit verwechseln – sie vermarkten es dann als „Positive Freiheit“. Nicht selten ist Freiheit dann ein Privileg jener, die im Gleichschritt mitmarschieren. Und wer nicht gehorsam ist, dem werden die Rechte wieder entzogen. Strafe muss sein. Ein sehr altes und veraltetes Weltbild, wie ich doch behaupten darf!

Freiheit ist mehr als das, was einem andere erlauben zu tun. Freiheit ist auch mehr als nur zu tun was man möchte. Freiheit ist auch das zu unterlassen was anderen von einem verlangen. Freiheit ist Ja und Nein zu sagen.

Freiheit ist dem Menschen von Natur aus gegeben. Es ist kein positives Recht, welches von einer dritten Gewalt, einem Gott, Staat oder sonstigem imaginären Freund, verliehen wird. Es ist ein natürliches Recht, wie das Recht auf Leben, dass durch die bloße Existenz des Mensch zuteil wird.