Charakter der Systeme

Wenn wir uns durch unsere Welt bewegen, dann sehen wir ein dynamisches Umfeld, welches sich permanent entwickelt und nie ganz genau untersucht werden kann wie es ist. Wir behelfen uns damit, dass wir einen Rahmen, eine Metaphysik anlegen, Kritik üben und es in eine Theorie, vielleicht einer Schule zuordnen und innerhalb dieses Bedeutungsrahmens des so abgegrenzte Seiende untersuchen.

Nach Aristoteles wäre Charakter die Eigenschaft des Seienden. Wobei ich nicht unbedingt die Eigenschaft als eine Funktion oder eine Emotion sehe sondern schlicht die Benennung derer und der gemeinsame Kontext dessen Bedeutung. Charakter ist, was wir in die Dinge hineinlegen, nach allen Regeln der Kunst (synthetisch) oder durch Entdeckung und Beschreibung (natürlich), und damit das was wir wahrnehmen und erkennen können und letztlich eben betiteln.

Die These ist, dass dieser Charakter, natürlichen oder synthetischen Ursprungs, sich über Systemgrenzen hinweg überträgt oder wirkt. Jedes Seiende stellt dabei ein System dar welches für sich untersucht werden kann. Charakter, die wir in einem System wahrnehmen sollen dabei auf benachbarte Systeme, also solche, die in direkter Reichweite sich befinden, abfärben, auch wenn dies nicht beabsichtigt ist. Ebenso können entsprechende Resilienzen dies auch verhindern.

Vielleicht deshalb bedarf es zur Beschreibung des Charakters eine interdisziplinäre Annäherung, denn Charakter ist eben nicht nur der Begriff und die Bedeutung den wir ihm geben sondern auch eine natürliche Art oder eine synthetische Funktion im Kontext seines Erscheinens.

Objektivität und Subjektivität

Wir können nur mit Hilfe der Instrumentarien die Welt untersuchen, die wir auch wirklich verstehen. Das kann Technologie oder simpel Sprache sein. Wir sind sozusagen Kinder unserer Umwelt – aus die wir hoffentlich ausbrechen wollen 😉

Demnach kann ein erster Eindruck eines Gegenstandes nur ein subjektiver Charakter sein. Wir haben eine Vorstellung von dem was wir sehen oder wahrnehmen und in der Diskussion werden wir ohne nähere Analyse ausreichend Konsens finden um den Charakter zu benennen.

Im Gebrauch werden wir den Gegenstand näher kennenlernen und unser Konzept entsprechend anpassen. Im Alltag machen diese Details im Ding nichts weiter aus, wir können uns trotzdem darüber reden und es anwenden.

In einigen Fällen werden wir auf Irrtümern stoßen die zu einer Neuverhandlung des Konsens führen müssen. Diesen Irrtum nenne die ich den objektiven Charakter. Wir decken einen solchen Irrtum durch Forschung und Analyse auf. Das bedeutet, dass der untersuchte Gegenstand nicht in allen Einzelheiten bekannt war, also das System aus Subsystemen mit jeweils eigenem Charakter immer bestand.

Nehmen wir als Beispiel eine Blume. Wir kennen die Blume, wir kennen wie alles zusammenspielt und wie sie aussieht, wir kennen also die objektiven Charakter und können so ein subjektives Bild liefern oder wahrnehmen, es ist unser aktuelles Konzept von Blume

Wir leben in einer subjektiven Welt. Es ist die Alltagssprache und das grobe Wissen um dem wie es Funktioniert oder was passiert. Sei es der Computer oder die Politik. Diese eher aus der Gesellschaft kommende Kontext führt zu einem gewissen Spielraum im Bedeutungsrahmen. Deshalb ist der subjektiven Charakter für die praktische Anwendung unbrauchbar und es Bedarf eines objektiven Charakters der sich aus dem Zusammenspiel der Subsysteme ergibt. Je Synthetischer der untersuchte Gegenstand, desto simpler, je natürlicher desto komplexer sind objektive Charakter, soweit mein Postulat zu den Analysen.

Wir nehmen an, dass einen Bus Sitze und Motor auszeichnen. Der Motor dient der Fortbewegung, womit sein objektiver Charakter etwas wie Mobilität ist. Sitze dienen dazu nicht stehen zu müssen. Sie haben eher etwas bequemliches. Der Sitz hat nichts mobiles an sich. In Kombination ergibt sich der Bus mit den nun subjektiven Charakter der Mobilität und der Bequemlichkeit

Intersubjektivität

Charakter ist also mehr oder weniger der Konsens, den wir aufrufen um über die, oder eine Welt uns austauschen zu können. Die Bedeutung dessen liegt aber bereits im Seienden und konnte nur deshalb erkannt werden. Mit Intersubjektivität will ich beschreiben, wie solche Charaktere sich von einem auf einen anderen Erkenntnisgegenstand übertragen oder wirken können.

Natur eines Charakters

Unabhängig vom Titel folgt die Wirkung oder Wirkweise einer eigenen Natur. Diese Wirkung selbst ist auch der Ausgangspunkt meiner Beschreibung. Um Wirkung zu beschreiben braucht es zwei Entitäten: die Ursache und eben die Wirkung. In so fern ist die Natur eines Charakters auch durch ihn selbst und seiner Umwelt gekennzeichnet.

Mir gefällt die Vorstellung nicht, was besseres fällt mir aber nicht ein: Es ist so, als hätte ein Charakter Schnittstellen zu seiner Umwelt, Input und Output sozusagen. Ein untersuchtes Objekt steht in der Charakteranalyse nie allein, es gibt immer irgendwelche Verbindungen.

Eine KonservativeNatur hat die Eigenschaft, den Charakter durch eine stabile Umwelt zu erreichen. Der Gegenstand selbst verändert sich dabei nach bedarf, die Bedeutung bleibt.

Fruchtbarkeitsrituale begehen wir bis heute. Wir lachen, wir tanzen,… sie erfüllen ihren Zweck. Wie der Brauch begonnen hat wissen wir nicht. Wichtig ist und war nur, den Zweck weiterhin zu erfüllen. Hier spreche ich von einem konservativen Charakter.

Die Katalysatorische Natur hingegen erhält den Charakter durch Stabilisierung des Gegenstands selbst. Dabei spiel eine sich verändernde Umwelt keine Rolle, Input und Output wird entsprechend angepasst.

Universalismus. Er verändert alles in seiner Umgebung an Theorien
wenn dies seine existent bestätige – das gilt auch für einige andere Wissenschaften 😉 Ich nenne dies dann eine katalysatorischen Charakter.

Ein subjektiver Charakter muss nicht zwingend rein durch Übertragung zwischen den Gegenständen erfolgen, er kann auch in Symbiotischer Natur neu entstehen. Dies kann eine dauerhafte Verbindung der Systeme (Farbe und Blume) sein, oder auch temporär (Bus und Mensch). Welches der Subsysteme die Verbindung initiiert hat bleibt meiner Meinung nach offen. Die Symbiose ist aus meiner Sicht ein Beweis.

Der Charakter der Systeme untersucht hier nicht wie welche objektiven Charakter logisch zusammenhängen sondern wie diese Gegenstände auf andere wirken und dabei ihre Eigenschaften übertragen oder sich so überlagern, dass ein subjektiver Charakter entsteht.

Resilienz und Dissonanz

Die Begriffe Resilienz und Dissonanz stammen aus der Psychologie und eigenen sich besonders für die Beschreibung ungewöhnlicher Intersubjektivität. Ich denke, jede Wissenschaft hat ihre eigenen Resilienzen und Dissonanzen. Vielleicht sind sie die Ursache für Neugierde?

Resilienz ist, wenn Intersubjektivität vorliegen kann, der Charakter aber nicht übertragen wird.

Dissonanz ist, wenn Intersubjektivität nicht vorliegen kann. Hierzu muss nur ein unpassender Charakter objektiv versteckt sein.

Fragestellungen

Aufgrund einer Charakteranalyse ergeben sich einige Frage, die ich mangels Forschungsauftrag nicht durchführen kann 🙂 Wäre ich aber Akademiker – und auch im akademischen Betrieb unterwegs – dann würde ich hier nach dem Charakter suchen.

Die Beiträge werden noch einzeln ausformuliert, denn das ein oder andere Interessiert mich schon näher. Jedenfalls werde ich achtsam hinsichtlich dieser Themen sein und sie hier und da mal kritisch hinterfragen.

Energiemaschine Mensch

Eine Analyse wäre, dass wir jede Zelle unseres Körpers als Kraftwerke identifizieren. Diesen Charakter könnte sich dem Systemcharakter zufolge bis in die Gesellschaft ziehen, bzw. könnte man auch in der Gesellschaft sehen.

Wir sehen auch eine moderne Gesellschaft die geradezu energiegetrieben ist. Es spielt dabei keine Rolle, in welche Epoche man blickt, Energie spielt immer irgendwie eine Rolle. Heute sind das Maschinen oder selbst das Internet, die immer mehr Ressourcen benötigen und denen wir nur schwer widerstehen können.

Die Frage wäre, ob es Gesellschaften gibt, die effizienter oder achtsamer mit ihrem individuellen Energiehaushalt umgeht. Sie müsste demnach dann weniger von obigen Systemen abhängig sein.

Kapitalismus

Der Charakter des Geldwesen ist aus mehreren Teilen Zusamengesetzt die man einzeln beleuchten kann.

Zum ersten ist Geld kein Wertspeicher mehr, der innere Wert ist 0. Hinzu kommt der Zins, der automatischen regelmäßigen Entwertung. Die Natur des Geldes ist im großen und ganzen katalysatorisch, es bleibt wie es ist und macht nur was es soll. Nichts wert sein und dazu jedes Jahr weniger…?!?§$€

Um sich beispielsweise fürs Alter vorzubereiten oder wenn jemand für eine Idee spart, dann bedarf dies einem stabilen Wertspeicher. Diesen nun durch Tausch gegen einen wertloses Geld zu ertauschen ist, wenn man es nicht in gutem glauben und unter zwang täte, Betrug.

Der Zins wirkt sich so aus, als das wir zum überleben in Zukunft mehr brauchen. Dies führt zu einer Gier, die ich dem Geldsystem als weiteren Charakter unterstelle.

Auf der anderen Seite liest man von Gesellschaftskritik in Sachen Narzismus. In dieser Gesellschaft ist jeder sein eigener kleiner gierige Betrüger, der im guten Glauben handelt, dessen Charakter aber der des Geldwesens ist, welches ihn eingenommen hat. Sind wir, als Gesellschaft, so weil wir genau dieses Geld verwenden?

Es liese sich überprüfen, wenn wir ein Geldsystem hätten, das weniger katalysatorisch ist sondern eher konservativ. Wie würde sich dies auf die Gesellschaft auswirken, wenn man sich sicher sein kann, dass der Wert des vorliegenden Geldes sich erhalten wird?

Naivität

Seit je her wurde Naivität positiv aufgenommen. Soll heißen, Naivität war durchaus als das wahrgenommen was es auch ist, simpel Offenheit. Dies hat sich bis in die 1950er im deutschen Sprachraum so gehalten. Seit dem hat sich die Gesellschaft gewandelt und Naivität wird heute im bürgerlichen Sprachgebrauch als negativ bewertet.

Nun fehlen uns in Deutschland naive Unternehmer, Menschen, die einfach so mal 1.000.000 EUR einem Nerd in die Hand drücken und sagen „Go!“. Sind wir nicht Resilient gegenüber der neuen Bedeutung, dem neuen Charakter?

Weitere

…folgen 🙂 Ich muss diese ausformulieren…