Das Böse

Das Konzept von Gut und Böse ist alt. Sehr alt. Einige sagen, dass das Konzept des Bösen vor etwa 6000 Jahren in die Welt kam. Andere sehen den Ursprung des Bösen in einer Zeit des nackten Überlebens. Woher also nun das Böse und welchen Zweck erfüllt es?

Die Idee zu diesem Beitrag steckt schon eine Weile in meinen Entwürfen. Aus Gründen, ist es jetzt endlich soweit 🙂

Die ältesten Konzepte

Der zweitgenannte Mythos sieht den Ursprung noch etwas früher. In diesem Mythos geht es darum, dass vor unseren patriarchalen Systemen eine Gesellschaft existiert hat, die im Einklang mit der Natur gelebt hat. Durch Unwissenheit oder einer Naturkatastrophe (siehe Saharasiathese) verschwand die Lebensgrundlage dieser Gesellschaft. Im nackten überleben würden dann die niedersten Instinkte geweckt werden. Genaugenommen die Instinkte, die in jedem Lebewesen angelegt sind und dafür sorge tragen, dass man selbst und die Art überlebt. Diese Zustände der Menschheit wäre dann die Geburtsstunde des Patriarchats, welches diese Zustände als das Böse verurteilt und in der Zukunft zu verhindern versucht. Vergleichbare Ideen folgen…

Der erste der Beiden, will den Ursprung vor gut 6000 Jahren in unserer Zivilisation ausmachen haben. Hier soll das Konzept des Bösen zum ersten mal auftauchen. Mit diesem Konzept kann man bequem die Menschen in solche einteilen, die Teil einer Gesellschaft sein dürfen, und jene trennen, die eben nicht dabei sein sollen.

Wo wurde und wird das Konzept angewandt?

Während also in einem Mythos von einer bessere Welt vor der unseren spricht und wir heute in einer denkbar schlechten Zeit leben würden geht der andere mehr vom System an sich aus. Für letzteren finden sich einige Tatsachen, die darauf hinweisen, dass das Konzept Anwendung fand.

Zum Beispiel spricht das Christentum von einer Erbschuld. Wir haben also etwas böses geerbt und müssen und durch gehorsam reinwaschen. Nur so erhalten wir eine Art Erlösung oder so. Mag ja alles stimmen, bis auf die Frage, ob wir denn wirklich böse geboren wurden? Jedenfalls war es eine Frau, die den Apfel gegessen hat, was, neben der Art der Einführung der Frau ins Weltbild, zeigt, dass die Männer ja die Coolen sind. Vielleicht ist ja das die Erbschuld aller Christen 🙂

Später, in der angelsächsischen Philosophie, findet sich etwas ganz ähnliches. Hier wäre der Mensch von Natur aus böse und könne nur durch den Staat zum guten erzogen werden. Es gilt als einer der bedeutendsten Werke – vielleicht deshalb, weil es die christliche Moral teilt und den Staat zum Gott macht. Das Werk muss jedenfalls keinen großen Widerstand einer damals noch relativ mächtigen Kirche fürchten. Es ist auch diejenige Philosophie, die mehr und mehr zum allgemeinen Lehrglauben wird. Gewinnt das Christentum dann doch noch gegen die Aufklärung?

Heute gibt es vor allem zwei Kategorien, die das Gute und das Böse ersetzt haben. Die Linken sind die Guten und die Rechten sind die Bösen. Wann immer man jemanden als fremden bezeichnen will, nennt man ihn Rechts. Jede Meinung, die nicht zur Religion passt, ist rechts. Alles was zur Glaubensgemeinschaft gehört ist hingegen Links. Das, was Christen und Linke gemein haben, nämlich Worte mit Bedeutung aufzuladen, was wiederum aus der angelsächsischen Wissenschaft kommt (aka Marketing), zeigt sich selbst im Wandel vom Guten zum Linken. Gleiche Bedeutung, anderes Wort.

Angst

Wenn man jemanden beeinflussen will, ist die Angst Dreh und Angelpunkt. Auf der einen Seite wäre zum Beispiel das Neuromarketing erwähnt. Hier kennt man die Angst eher als Gegenspieler und es wird versucht den Menschen immer in einem besonderen wohligen Gefühl zu lassen. Alles, was dies unterbricht, zum Beispiel durch Veränderung, wird unterlassen oder nur so langsam verändert (zum Beispiel das Logo erfolgreicher Marken vs. Logos weniger erfolgreicher Marken), dass der Kunde sich trotz der neuen Gegebenheiten wohlfühlt. Ziel ist immer das Individuum – oder das Objekt, wie manche Philosophen sagen würden…

Ein anderer Ansatz ist es offenbar, die Angst bewusst zu schüren. In diesem Fall setzt man auf das Kollektiv – bzw. ist nun die Gemeinschaft das Objekt. Wird ein Kollektiv in Angst versetzt, reagiert es so, dass es sich sich zusammenrottet um gemeinsam die Angst zu besiegen – koste es was es wolle. Überleben ist das einzige was jetzt noch zählt. Ausgrenzung noch die harmlose Folge, Gewalt das extrem. Wir sehen das im Nationalismus, bei dem die Menschen von anderen Menschen bedroht sei und man sich zusammen tun müsse, also eine Nation bilden müsse. Die meisten Nationen sind deshalb auch in Kriegen entstanden, nicht freiwillig. Aber auch im Sozialismus findet diese Strategie Anwendung. In dieser Ideologie ist es das Kapital und damit nicht selten die Juden, die gegen eine freie Gesellschaft kämpfen würden. Dementsprechend halten sich Sozialisten meist für Freiheitskämpfer und merken nicht, wie sie in Wirklichkeit die Freiheit anderer berauben.

Durch die Abgrenzung zu anderen Menschen und der Möglichkeit, diesen jegliche unsagbaren Taten zu unterstellen, die vor allem den eigenen Idealvorstellungen widersprechen, setzt die Dichotomie vom Guten und Bösen auf den Angstaspekt. Auf der einen Seite, also der Seite der Guten, sind die Hypermoralisten. Sie sind es, die entscheiden und bestimmen, was das absolute Gute ist. Dieser Führerkaste folgt dann ein Schwarm an Priestern, welche die Erkenntnis kund tun, und Propheten, die das Unheil, natürlich ausgelöst durch die Bösen, heraufbeschwören. Am Ende steht das indoktrinierte Kollektiv. Auch wenn eine Lüge durch Wiederholung nicht wahr wird, so festigt sie sich in den Köpfen der Gesellschaft. Fernsehen, Zeitung, Radio, Internet sind hier nur die Medien der Botschaft und nicht das Übel selbst, wie manche sagen. Erst die Gleichschaltung der Berichte auf die Erkenntnisse der (hier verwendet wir ein Wort das Vertrauen schafft oder zumindest durch bisherigen Marketing positiv besetzt ist 😉 ) macht aus einem Medium eine Gefahr für das Individuum und in der Folge für eine ganze Gesellschaft – dabei ist diese Gefahr nicht nur auf die anderen Beschränkt, falschen Entscheidungen können zur Gefahr für die Eigenen werden!

Aus Angst machen alle mit. Sich dieser zu entziehen bedarf es sicherlich etwas mehr als die Allgemeinbildung aus dem staatlichen Schulsystem. Vielleicht Bedarf es einer gewissen Reife, wie zum Beispiel die Erfahrung aus einer tiefer gehenden kognitiven Dissonanz, oder Erfolg und Niederlage, die Erfahrung von Teamgeist und die der Ausgrenzung oder des alleine Seins – um eben nicht auf jeden Priester oder Propheten hereinzufallen.

Eine Gesellschaft darf auch nicht aus Angst sich zu irgendwelchen Taten hinreisen lassen, die sie in der Folge so beibehält. Das heißt, wenn man aus einer Angst heraus Tatsachen schafft, dann kann man in der Folge sich nicht ausruhen und es dabei belassen. Es wäre wie eine Verdrängung, die dazu führt, dass sich immer mehr Regeln und Fakten sich auftürmen, die zusammen zu einem Kollaps führen können – außer man schaut eh nicht zurück und ignoriert gewissenlos seine Taten. Für mich heißt das aber nicht nur sich zu entschuldigen, sondern die Dinge ungeschehen machen. Erlassene Gesetze müssen wieder entfernt werden. Zerstöre Kulturen müssen eine neue Heimat erhalten und sich wieder frei entfalten dürfen. Es ist das auseinandersetzen mit der Angst, welches die Gesellschaft lernen muss, nicht das Verdrängen.

Die Zukunft mit Angst und ohne das Böse

Im letzten Absatz habe ich ein mögliches Szenario bereits beschrieben. Es gilt für die Gegenwart, in der wir noch nach den alten Konzepten leben.

Schöner wäre doch eine Gesellschaft, die die Konzepte erkennt und entsprechend wenig bis gar nicht reagiert und statt dessen sich ein eigenes Bild macht. Das mag im Ernstfall, wie einer richtigen Pandemie oder Krieg, Gefahr bergen und für lokale Verluste sorgen, in einem System ist das aber der Garant für ein die notwendige Resilienz die dafür sorgt, dass es nicht beim ersten Einwirken von außen zusammenbricht. Gut, man kann Resilienz auch durch Gewalt erzwingen, was aber einen um so größeren Kollaps zur Folge hat, je länger man eben mit Gewalt am Aufbau gearbeitet hat. Leitradengen sind dann alle innerhalb des Systems, zuerst die am Rand, später der Rest, und eben nicht nur einige wenige, welche zudem nur zufällig am falschen Ort und in der falschen Zeit waren und somit auch jeden in allen Schichten treffen kann. Wenn das mal nicht fair ist?

Ein natürliches resilientes System muss sich der Angst stellen und diese akzeptieren. Es wird immer wieder zu Opfern kommen, die am Ende jedoch für zu mehr Stabilität führen – wir sind ja lernfähig. Wir brauchen dazu eine Grundlage, eine Idee, einen Kompass, der uns in unserer Entwicklung leitet, die Freiheit. Jede Teil der Gemeinschaft kann sich anhand dessen entfalten. Eigentlich ist bereits die Entscheidung, für eine Ideologie frei. Und wenn diese dann nicht funktioniert, darf nicht die Angst, zu verlieren, zu den bereits bekannten auswüchsen führen. Das Scheitern einer Idee wäre dann nur ein Resilienzfaktor in einem größerem ganzen, nämlich der kulturellen Vielfalt der Menschen.

Wir müssen uns also von jener Angst befreien, die letztlich nur unser Überleben sichern will. Wir haben uns aber so weit von dieser Natur entfernt, in der wir täglich ums überleben kämpfen müssen, dass wie in der Regel von irrationalen Ängsten eingeholt werden. In der Vergangenheit haben wir doppelte und dreifache Netze gespannt die halten. Naja, vielleicht nicht alle, aber die Gefahr, die wirklich Real und Ursprung des Mechanismus der Angst war, wie dass wir von wilden Tieren gefressen werden, erfrieren, verhungern oder sonst irgendwie ums leben kommen, die ist weg. Der Schutzmechanismus blieb und wird immer dann zum Thema, wenn der Mensch zum Objekt der Begierde wird.

Denn Angst ist gleichzeitig und weiterhin ein gutes Mittel, ungewollte Einflüsse zuerkennen. Wir müssen dabei nur unseren Sinnen und Gefühlen vertrauen und immer dann, wenn sich Unruhe bemerkbar macht, genau hinsehen, was der Auslöser ist. Diese Unruhe kann unbegründet oder ein Alarmsignal sein. Blindes Vertrauen ist dann ein ebenso schlechter Ratgeber wie Panik und Hysterie. Die Balance wird es sein und die muss jeder selbst finden. Der eine ist sensibler, der andere etwas rauer. Am Ende wird in der Masse alles dabei sein, um ausgeglichen mit der Angst umzugehen – also im Idealfall, wenn sich jeder Mensch frei entfalten kann und wir niemanden mehr folgen, der Angst als Mittel zum Zweck anwendet.

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