Das Ideal und die Moral

Ideale gibt es viele. Ideale sind Dinge, die wir uns vorstellen und keine materielle Form besitzen. Es ist ein „so soll es sein“. Der Idealismus geht so weit, dass er sagt, das Ideal sei das Formgebende. In manchen Dingen mag das stimmen, aber die Idee von der heilen Welt macht keine heile Welt.

Aber man könnte. Es könnte ja funktionieren, ja wenn nur bestimmte Dinge eingehalten würden. Die aktuelle C-Frage. Warum wird von Ethikern Politik mit Moral gemacht. Wie kommt das, dass man den philosophischen Feind mit ins Bett nimmt? Nutzen sie nur die Gunst der Stunde? Oder ist es notwendig? Braucht alles Unnatürliche und/oder Konstruierte, braucht jedes Ideal die Moral?

Die Moral ist im Prinzip der Vorläufer von Regeln. Aus Moralen können Normen, und damit Gesetze werden, die dann eine Allgemeingültigkeit besitzen – zumindest für die Teilnehmer am System X und allen anderen, die dem unterworfen sein sollten. In der Religion waren es die Getauften und alle Heiden (also der Rest). Für den Staat sind es alle geborenen Menschen und die, die eine andere politische Meinung haben (also der Rest).

Aber auch andere Dinge, die der Mensch sich so erdacht haben, benutzen Moral. Ich mag Kapitalismus. Kapitalismus beschreibt, wie die Wirtschaft funktioniert, wenn sie keine störenden Einflüsse hat. Letzteres ist bereits eine zu erfüllende Norm. Es gibt aber auch ganz konkreten moralische Empfehlungen: Dass man selbstverantwortliche handeln muss (also keine Aktiengesellschaft gründet) oder dass das Kapital gemehrt werden soll (z.B. in dem man seine Mitarbeiter, und damit das Wissen im Unternehmen, bildet). All das sind Handlungsempfehlungen, die es benötigt, damit das System funktioniert.

Jeder Staat, jede Religion – meine Lieblingsfreunde – funktionieren nur, wenn sich die Teilnehmer an bestimmte Regeln halten. Sie brauchen die Moral, sonst würden sie nicht funktionieren. Würden wir nur die Ethik anwenden und die Moral in die Schublade veralteter Ideen stecken, könnten wir all diese Ideen vergessen – was in vielen Fällen auch angebracht wäre. Moral und Idealismus ist, auch wenn es der geneigte Materialist nicht gerne hört, notwendig, um jede Form erdachter Systeme zum funktionieren zu bringen.

Weiterführend könnte man sich anschauen, ob dies nicht die Grundlage des Rechtspositivismus ist. Ich bin jedenfalls der Meinung, dass dessen Gegenspieler, das Naturrecht, auf Moral weniger angewiesen sein wird. Moral ist eine folge von Idealismus. Eine Gesellschaft, die sich auf das Beschreiben der Bräuche besinnt und bereit ist, natürliche Veränderungen ihrer Gesellschaft hinzunehmen, also keine schädlichen Konservatismus anheim fallen, würden ohne Maßregelung friedlich zusammenleben können. Ist die Folge dann die Ethik?

Eine natürliche Gesellschaft wäre ein ausprobieren, ohne das wir wegen der Moral Dinge nicht tun, bis wir die für unsere Zeit beste Lösung gefunden haben. Nichts ist in Stein gemeißelt und niemand unterliegt Regeln, die irgendwann und irgendwer aufgeschrieben aufgeschrieben hat und vielleicht hier und da mal modifiziert wurden. Ich und Du, jeder für sich, entscheidet anhand seiner Erfahrung mit den bestehenden Normen und Bräuchen, wie er leben möchte. Daraus entsteht ein neues Wir, welches sich permanent wandeln und entwickeln wird. Moral steht dem im Weg und dient nur dem Wir, niemals dem Ich.

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