Die Art zu Denken

Warum kann man sagen, dass Verschwörungstheorien gefährlich sind? Wenn ich in mir hinein höre, dann kann ich das nicht behaupten. Sie sind bestenfalls Unterhaltung, mal besser, mal schlechter, mal dramatisch, mal thrillerhaft. Wie kommt es also, dass sie für den einen eine Gefahr darstellen und für andere nur Unterhaltung sind?

Unser Gehirn funktioniert so, dass Dinge, die wir tun oder lernen, die neuronalen Verbindungen stärken, und die, die wir nicht tun oder vergessen, schwächen. Es gibt ein Experiment mit Mäusen, das gezeigt hat, dass binnen weniger Tage die Knoten anschwellen und wieder abschwellen können. Je dicker der Knoten, desto gefestigter das gelernte. Je länger wir einer Gewohnheit nachgehen, desto stärker bleibt sie uns. Sprachen, die wir nicht mehr sprechen und Arbeit, die wir nicht mehr ausführen, vergessen wir.

Nehmen wir nun den Objektivisten und den Subjektivisten in unser Gedankenspiel mit auf. Ich behaupte mal, dass der Objektivst sich an der Realität orientiert, an das was objektiv – bzw. intersubjektiv – gegeben ist. Für ihn gibt es nur eine lange Verbindung, die die Welt erklärt. Vielleicht, wie bei einem Monisten, mit nur einem Anfang und einem Ende. Dagegen ist der Subjektivist frei. Er wird die selbe Verbindung wie der Objektivist in seinem Kopf haben, er hat aber diese nicht durch Bücher erlernt, sondern er hat sie erfahren. Der Subjektivist geht allen erdenklichen Ideen nach und entscheidet, was richtig ist und was nicht. Er erfährt die Welt und lernt sie nicht nur.

Die Folge ist, dass ein Subjektivist mit den verrücktesten Ideen umgehen kann. Weil er so viele verschiedene Geschichten schon gehört hat, hat er gelernt, sie einzuordnen. Da es nur eine Realität da draußen gibt, wird er am Ende zu den selben Erkenntnissen gelangen wie ein Objektivist. Allerdings wird er freier forschen und entdecken und größerer Wahrscheinlichkeit die besseren Erkenntnisse über die Wirklichkeit hinzufügen als ein Objektivst.

Der Objektivist ist auf seinem Weg gefangen. Ihm ist es verboten rechts und links zu denken. Die Art und Weiße, wie er denkt, dass alles nur diesen einen Weg kennt, macht ihn anfällig für Verschwörungen und Esoterik. Denn so wie man ihm beibringt, nur das eine zu glauben, was wahr ist, genauso schnell wird er auch das andere glauben. Jede Abzweigung birgt die Gefahr des Verirrens. Er kann, wenn er viele Theorien (über die Natur) gehört hat, nicht entscheiden, was nun davon wichtig ist, was richtig ist und was er vielleicht noch im Hinterkopf behalten sollte.

Natürlich hat es etwas gutes, einen so konditionierten Menschen zu haben. Er wird immer das tun, was man von ihm verlangt, solange derjenige, der ihm etwas vorschreibt von ihm als jemand angesehen wird, der zu ihnen gehört und der mehr wissen könnte. Priester oder so 🙂 Ein solcher Mensch wird bei jeder kognitiven Dissonanz sein Weltbild verteidigen. Ein warmer Sommer kann so zu erhitzten Gemütern führen und in Hass und Gewalt enden. Objektivisten sind Rädchen. Ihr Beitrag ist es zu beten, zu arbeiten, ja zu funktionieren!

Weil man Menschen so konditioniert hat, nur an das eine zu glauben, nur eine Wahrheit zu akzeptieren und man ihm diese auch noch vorgekaut und nur zur bloßen Wiedergabe vorlegt hat, statt ihn Erfahrung mit Möglichkeiten zu vermitteln, deshalb sind Verschwörungstheorien gefährlich. Sie glauben sie ohne zu zweifeln. Egal wohin sie abtriften, sie sind für andere Menschenfänger leichte Beute. Und gehorsame noch dazu. Sie funktionieren immer, solange man ein halbwegs geschlossenes Weltbild präsentiert.

Deshalb sollte man den Kindern ihre Freiheit lassen, statt sie in die Schule zu stecken und zu konditionieren. Sie sollen die Welt entdecken. Erwachsene sollten die Möglichkeiten bereitstellen, mehr über die Dinge, die die Kinder interessiert, zu erfahren – ohne die Dinge vorab zu bewerten oder um sie in eine bestimmte Glaubensrichtung, Ideologie, Philosophie oder Lehrmeinung zu lenken. Nur dann werden sie viele verschiedene Meinungen und Ideen kennenlernen und die echte Wirklichkeit von ihrer gedachten Wirklichkeit zu unterscheiden lernen. Sie werden dann auch nicht mehr für jeden Unsinn anfällig und sind statt ein Rädchen in einem Getriebe der Motor einer freien, offenen und vielseitigen Gesellschaft.

Um dies zu erreichen, müssen wir zunächst unsere hypermorale-humanistische Allmachtsphantasie aufgeben. Die Idee, sowieso über allem zu stehen – und deshalb die Eigenermächtigung zum töten wie im Humanismus beschrieben – ist geradezu ein Nährboden dafür, unseren Kindern und den Menschen einreden zu wollen, dass es nur einen Gott, einen Staat, eine Wissenschaft und eine Philosophie gibt, an die wir glauben brauchen. Es lädt ein, Einfältigkeit und somit Schwäche zu konditionieren.

Damit einher geht, dass wir unsere christlich-marxistische Assimilationsgesellschaft aufgeben müssen. Denn die herangezüchteten Schäfchen laufen bekanntlich Gefahr anderen Kulturen und Denken anheim zu fallen. Vielleicht deshalb assimilieren wir einfach diese andere Kultur und bieten so unseren Gefolgsleuten alternativen an, die eigentlich bloßes Marketing sind. Sind wir diese Eine-Welt-Gesellschaft los, haben wir die große Auswahl an Lebenskonzepten, statt nur die uns erlaubten.

Wir werden viele Kulturen haben und die CRT fordert geradezu, diese zu respektieren – statt sie zu assimilieren. Allerdings muss auch toleriert sein, dass man sich mit einer anderen als der angeborenen Gesellschaft und Kultur identifiziert, ihrer Sprache, ihrer Musik, ihren Bräuchen und man das Ufer wechseln will und wird – was die aus der CRT entstandene Bewegung wieder nicht so toll findet. Erst dann, wenn es viele Möglichkeiten an Lebensformen gibt, wenn wir diese nicht mehr assimilieren und uns schon gar nicht mehr über andere Menschen und Kulturen stellen, wenn wir mit Mut und ohne Neid über die anderen sprechen, erst dann kann der Mensch stark werden und – um zum Anfang zurück zu kommen – die Geschichtenerzähler werden uns nur noch unterhalten statt uns zu verführen.

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