Die Kritische Rassentheorie

Man mag von der CRT halten was man will. Je mehr ich mich damit beschäftige, desto mehr wird mir deutlich, worum es dabei geht. Deshalb denke ich im Moment schon öfter darüber nach und stelle immer wieder fest, dass es sie durchaus Berechtigung hat. Ich widerspreche aber deutlich, was die Woke-Bewegung daraus macht. Sie ist selbst ein Resultat der von ihr Kritisierten vorherrschenden weißen Kultur…

Wenn man die CRT abstrakt sieht, dann geht es darum, dass es ein dominierendes Kollektiv gibt, dessen Kultur dazu führt, dass andere Kulturen nicht entstehen könnten. Sie formuliert dabei die weiße Kultur als das Problem. Die Lösung im Moment: eine neue, von weißen erdachten Kultur? Wie gesagt, die „Problemlösung“ scheint mir vielmehr nur ein neues Problem zu sein.

Aber weiter im Text… Die CRT sagt, dass alles, was aus dieser dominierten Kultur käme auch Teil dieser Kultur sei. Das entspricht meiner Idee der Systeme in groben Zügen, dass der Charakter eines Systems nicht automatisch emergent ist, sondern auch aus den Subsystemen oder Elternsystemen entstehen kann.

Mal ein Beispiel, welches verdeutlicht, was die CRT meiner Meinung nach sagen will: Ich programmiere gerne. Dabei kommt es immer wieder vor, dass zum Beispiel ein Datum im amerikanischen gregorianischen Format vorliegen muss. Alle anderen Formate, selbst wenn sie dem gregorianischen Kalender unterliegen, müssen zuvor umgewandelt werden. Auch wenn es Funktionen gibt, die mich dabei unterstützen, mein lokales Datum hat nicht den Stellenwert des amerikanischen Datums. Das ist in der CRT Rassismus.

Sie sagt auch, dass die Institutionen und Gesetze rassistisch seien weil sie bestimmte Glieder der Gesellschaft ausschließen. Ach was. Natürlich ist unser Staat nichts weiter als ein Mittelalterliches Konstrukt, welches auf Ausbeutung aus war und heute noch ist. Man hat lediglich die Bezeichnungen der Institutionen geändert. Die Ähnlichkeiten zwischen einer Monarchie und der unseres Europas ist frappierend. Und ja, selbst die Philosophie von Demokratie bis Marx ist das Ergebnis weißen männlichen Denkens, in einer langen Tradition entwickelt. Impulse wie Anarchie oder andere freiheitlichen Ideen werden konsequent unterdrückt. Man gilt sogar als Staatsfeind, wenn man eine andere Organisationsform sich wünscht und dafür eintritt. Also ja, die Strukturen dienen nur den Gläubigen. Anders sein ist nicht erlaubt. Auch nicht in der CRT – sie ist eben nicht perfekt, und das will ich hier auch garnicht versuchen dazulegen.

Ungleichheit und Augenhöhe

Wie dem auch sei, ich kritisiere diese Ungleichheit auch! Ich bin auch kein Freund der eurozentristischen Weltanschauung, von der Archäologie über die Philosophie bis hin zu irgendwelchen objektivistischen Thesen. Dabei geht es mir vor allem darum, nicht in eben jene Überlegenheitsphanasien zu fallen, was, aus meiner Sicht, die CRT zurecht kritisiert aber von der Woke-Bewegung gelebt wird. Mein Weg wäre ein anderer. Mein Weg wäre es, dass alle anderen Kulturen sich auf Augenhöhe begegnen. Ich würde nicht eine andere Kultur nicht für den eigenen Konsum als billige Arbeitskräfte ausbeuten oder um die Energiewende zu schaffen deren Natur und ihre Leben durch unmenschliche Bedingungen zerstören.

Auf Augenhöhe ist etwas anderes. Auf Augenhöhe heißt, das Fremde zu akzeptieren und zu respektieren, sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Dieser Austausch ist nicht aufgezwungen sondern freiwillig. Man integriert das, was man für richtig hält und in der Form, in der man sie anwenden kann oder benötigt. Bei dieser Integration entstehen neue Formen der selben Idee von der, weil auf Augenhöhe, auch der Initiator profitieren kann und wird.

Wenn ich jetzt mal romantisch werden darf 🙂 Man stelle sich vor, ein Naturvolk lernt unsere Welt kennen und kann selbst entscheiden, was es adaptiert und was nicht. Sie werden sicherlich die ein oder anderen subjektiven Vorzüge übernehmen und dabei aber eben ihre Naturverbundenheit nicht aufgeben. Sprich, moderne Technologie ohne Zerstörung und Ausbeutung. Wovon auch wir profitieren können, indem wir es ihnen gleich tun. Und vielleicht lernen wir, eben nicht den halben Tag uns medial vollpumpen zu lassen. Nur schade, dass wir uns diese Chancen mehr und mehr verbauen indem wir diese Unterschiede nicht mehr zulassen wollen. Wir sind ja „alle gleich“…


Was will ich mit all dem sagen? Vielleicht ist die CRT nüchtern betrachtet, nicht das Übel, wie viele Oppositionelle sagen. Sie hat an einigen Stellen durchaus ihre Berechtigung und übt zurecht Kritik am aktuellen kulturellen Ungleichgewicht.

Die Kritik, dass sie den liberalen Grundsätzen widerspräche, teile ich nicht. Denn meine Freiheit endet da, wo die Freiheit anderer beginnt. Man kann eben nicht Menschen Umerziehen, nur weil sie gerne beten und an Gott glauben. Ebenso sind die Praktiken der UNESCO in dieser Hinsicht fraglich, beispielsweise in Indien den Menschen die Tempel wegzunehmen um sie touristisch zu erschließen – hab ich an Kritik gehört 😉 Gut, das liberale Staatstheoretiker Einwände habe, geschenkt. Ich beurteile hier aus anarchistischer und libertärer Sicht. Der Staat ist, und das sagt die CRT in gewisser weiße auch, das Problem.

Die Kritik beginnt eher damit, dass sie im Kollektiv lebt. Innerhalb dieser Bubble wird man kaum Kritik an sich selbst finden – gerade dann, wenn die eigene Kultur sowieso auf darauf bedacht ist, keine negativen Emotionen bei seinen Freunden zu erzeugen – und heizt sich vielmehr gegenseitig an, es vielleicht noch etwas brutaler zu versuchen. Genauso wie es ein Almentenproblem gibt, gibt es Problemalmenten, wenn man so will. So wird ein Marx, wie man hört und liest, den Marxismus nicht erkennen würde, ein früher Christ nicht die Kirche und vielleicht würde auch der ein oder andere aus den Anfängen der CRT die Woke-Bewegung nicht erkennen.

Eine andere Schwäche ist, dass sie ein Ziel verfolgt. Ist nicht allgemeiner Grundsatz eines Prozesses, sie ähnelt vielmehr einem Projekt. Dieses Ziel ist aber nicht die Gleichheit, sondern ihre eigene Überlegenheit mit der sie andere Diktieren will. Sie er-setzt nicht das Status Quo, sie be-setzt es.

Trotzdem könnte man aus der CRT die ein oder andere Idee ziehen, in der wir menschlicher miteinander umgehen würden. Dass wir uns nicht als Objekte sehen. Vielleicht ist es ein Ansatz, der hier in den USA entstanden ist, bei dem schlicht die vorherrschende Philosophie kritisiert wird, aber eben noch nicht erkannt wurde, dass Sie auch neue Wege gehen müssen, statt im Objektivismus zu bleiben. Gerade so, als hätte man ein Problem erkannt und auch in Ansätzen benannt, aber mangels Überblick und Wissen bereits eine Lösung parat, die nur das Symptom lindern mag, nicht aber die Ursache beseitigen wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.