Empathie und Egoismus

Menschen, die sich für empathisch halten sind vielleicht doch nur Egoisten und Egoisten sind die besseren Empathen. Oder nicht? Oder doch? Ich möchte einmal die beiden Begriffe aus Sicht einer libertären Denkweise beschreiben und natürlich die Gesellschaft kritisieren…

Liberale Menschen seien Egoisten, heißt es vereinfacht. Es ginge ihnen nur um ihr eigenes Wohl. Wenn das Individuum, also das Ich, im Vordergrund der Philosophie steht, kann ja nur Egoismus entstehen. Könnte man meinen – wenn man sich nicht mit der Philosophie beschäftigt sondern nur Mitläufer einer anderen ist.

In Wahrheit steht nicht das Ich im Vordergrund, sondern, wie bereit geschrieben, das Individuum. Jedes Individuum. Also alle Menschen. Und eben nicht als Kollektiv sondern jeder einzelne. Das ist erstmal kein Egoismus.

Ein wichtiges Gebot ist es, dass jeder Mensch alle Freiheiten der Welt hat, solange diese nicht die Freiheiten anderer tangieren. Das bedeutet, ich muss immer auch die Rechte der anderen mitdenken. Ich muss meine kennen und ich muss mich in den anderen hineinversetzen, um zu verstehen, was seine Rechte sind. Das wiederum ist Empathie.

Erstes Zwischenfazit: Gelebter Individualismus und Liberalismus ist gelebte Empathie.

Die Idee ist es nun, dass diese Empathie der Nährboden für ein Kollektiv sein kann. Keines, welches eben durch weiter Vorannahmen oder gar Zielen geformt ist, sondern auf rein natürliche Art und Weiße. Die Gemeinschaft bildet sich, wenn jeder ausreichend Empathisch ist, automatisch zu einer friedlichen Gesellschaft in der jeder sich um seinen kleinen Teil kümmert und diesen Beiträgt, während alle zusammen, aufgrund des permanenten Mitdenkens für die anderen, zu einer sozialen Gemeinschaft heranwächst.

Ich behaupte deshalb: Libertarismus (und damit libertäre Anarchie) ist das sozialste Gesellschaftssystem.

Aber wo sind jetzt die Egoisten? Egoismus zeichnet sich dadurch aus, dass sie ihr eigenes Wohl vor dem Wohl anderer stellen. Ihre Ideen sind die besseren Ideen, ihre Taten die eigentlich richtigen und überhaupt sagen sie immer nur die Wahrheit und alles andere ist die Lüge.

Solche Formen finden sich vor allem in den diversen marxistischen Kollektiven, die ihre Idee für die einzig Wahre halten und dementsprechend, gerne mit körperlicher und psychischer Gewalt, gegen alle anderen Sozialstrukturen vorgehen.

Es gibt in diesem Dunstkreis heute Bewegungen, die legen großen Wert darauf, wie sie angesprochen werden. Ein falsches Wort kann diese „sensiblen“ Gestalten verletzen. Sie erwarten von andern mehr Empathie. Gleichzeit verletzen Sie andere damit, die ihre Sprache in Gefahr sehen. Hier zeigen sie aber keine Empathie mit den Mitmenschen – vielleicht weil es in ihren Augen keine sind, wie das humanistische Manifest verrät – Ihr hypermoralischer Anspruch ist also reiner Egoismus und nicht die Empathie, für die sie es vermutlich halten und letztlich zum Aushängeschild ihres Images geworden ist.

Wir können schnell noch einen Schritt weitergehen und uns den Charakter dieser Gesellschaft näher ansehen. Das er womöglich auf Egoismus fußt ist zunächst nur ein Annahme. Was auffällt ist, dass diese Gesellschaft in einer gewissen Dekadenz versinkt, also alles haben möchte ohne dafür zu bezahlen. Sie erwartet Homeoffice für ihresgleichen, die, die für den Wohlstand arbeiten, werden dass aber nicht wahrnehmen können. Sie erwarten mehr Umweltschutz, möchten gleichzeitig aber nicht auf den gewonnenen Wohlstand verzichten. Worauf ich aber hinauswill ist, dass es sich oftmals um hedonistische Einstellungen handelt, nach denen sie leben. Und Hedonismus ist gelebter Egoismus.

Deswegen bin ich überzeugt: Hypermoral und Kollektivismus ist der Nährboden für Egoismus.


Wie ich bereits aufgeführt habe, halte ich Libertarismus und dessen Derivate für die sozialste Form des miteinander Lebens. Es verpflichtet zur Eigenverantwortung, zwingt zum Mitdenken und fordert ein maßvolles und durchdachtes Handeln. Die Idee einer libertären Gesellschaft kann nur auf Basis gelebter Empathie erfolgen.

Lebe ich hingegen dogmatisch mein Leben für höhere Ziele, dann bin ich ein Egoist. Das mag für den einzelnen noch nicht zutreffen, aber das System verlangt es von ihm, womit es ihm zum Egoisten macht. Zunächst vielleicht nur als subjektiver Charakter, mit der Zeit aber sicherlich auch Objektiv. Zumindest läuft man ohne ausreichend Resilienz, dessen Gefahr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.