Neue Rebellen

Ups, der Beitrag war schon online und ich hatte keine Zeit mehr, nochmal drüber zu lesen 🙂 Jetzt aber die Fassung, die schon eher geht.

Neue Zeiten brauchen neue Rebellen, ist doch klar oder? Wer will schon in einer Tradition verharren, nur der Tradition willen? Wer sagt denn, dass die neuen Eliten die einzig wahren sind? Wenn dem so ist, sollten wir sie dann nicht anbeten? Oder wäre es nicht geschickter, sie weiterhin zu hinterfragen, zu kritisieren und dazu zu zwingen, an die Menschen statt an sich und ihre Tradition zu denken? Ist das neue Normal nicht auch irgendwann das alte Weiße? Oder ist es das nicht sowieso? Der Zahn der Zeit nagt eh allem, Rebellen sind die Zähne, die es braucht, fehlerhafte Strukturen aufzu(den)ken.

Es wird ja viel von einer neuen Zeit gesprochen und mir geht der permanente Hinweis darauf so langsam auf den Zeiger. Ja, danke, ich hab es längst verstanden. An allen Ecken und Enden wird Energie aufgewendet, um anderen Menschen diverse Tatsachen vor Augen zu führen. Welchen Sinn das haben soll ist mir aber schleierhaft. Denn die, die es verstehen können und akzeptieren, die wissen es bereits. Die, denen es dank deutscher und europäischer Bildung an Transfervermögen mangelt, Kinder und selbst verschuldet Unmündige, die wird man sowieso nicht überzeugen können.

Dann gibt es noch die, die es verstehen, aber nicht akzeptieren wollen. Sie sind in ihrem Glauben gefangen, aus dem Auszubrechen leidvoll und mühsam ist. Ihnen und denen, die es verstehen, akzeptieren und die diesen Weg gehen wollen, denen aber mangelt es an Alternativen. Statt also seine Energie mit dem offensichtlichen zu verschwenden, wäre es Sinnvoller, eine neue Rebellenbewegung anzustreben, die Kritisiert, die Hinterfragt, die Alternativen sucht, deren Programm die Skepsis und die Kritik ist.

Nun könnte man sagen, dass jetzt, wo Links Mainstream ist, die Sache mit den Rebellen sich zum Glück erledigt hätte, es bräuchte nun keine Rebellen mehr schließlich, so der marxistische Glaube, sei man die einzig wahre Idee. Das haben auch schon andere gedacht, wir nennen das heute Religion. Somit sind wir auch schon am ersten Punkt, weshalb es weiterhin Rebellen geben muss, weil sonst das neue Normal nichts weiter als eine neue Religion wird.

Wege

Was wir erkennen können, wenn wir die rosa Brille absetzen, ist, dass wir es mit einer neuen Kultur zu tun haben. Kultur bedeutet, dass es um das Gestalten des Zusammenlebens geht. Die Gestaltung aber, übernimmt irgendein Kollektiv, welches ich nicht kenne und deren Gestaltungsmechanismen mir unbekannt sind. Was ich aber sehr wohl sehe ist, wie diese Kultur ausgerollt wird: Totalitär und mit einer ausgesprochen aggressiven Intoleranz. Alleine die Existenz einer subjektiven Meinung wird als Gefahr für die Demokratie genannt – also von einer Regierungspartei und nicht irgendwem. Die Idee, eine Opposition ist somit hinfällig. Die neue Demokratie ist die alte Diktatur. Das es irgendwo mal eine bessere Lösung geben wird als die, die sich irgendwer in den elitären Zirkeln der Macht ausgedacht hat, wird somit im Keim erstickt. Es gibt nur eine Wahrheit und das ist die der führenden Eliten. Ähh… nein, danke!

Diese eine wahre Meinung und der Lehrglaube der Gelehrten – oder Belehrten müsste man ja korrekterweise heute sagen – wird dann mit Hilfe des Staatsapparats durchgesetzt. Egal ob Rechts oder Links, sie machen sich die Arbeitsteilung und die Verantwortungslosigkeit der vielen Rädchen im System zu nutzen um gegen Menschen im inneren des Staates, also die Bürger, oder gegen die äußeren Einflüsse vorzugehen. Kämpft man gegen die Menschen im inneren, dann ist unser neues Normal oder das, was früher Sozialismus genannt wurde, kämpft man gegen außen, spricht man von Nationalismus. Zwar scheint unsere Regierung gerade den Nationalismus für sich entdeckt zu haben und bewilligt somit Unsummen für die Beschaffung von Kriegsgerät, die Ideologie bleibt aber der Kampf gegen alles was von innen kommt. Ich vermute ja, dass dies daran liegt, dass es ihre Idee war, von innen die Sache zu ändern mit dem Ergebnis, dass sie jetzt wissen, das diese Strategie funktionieren kann und deshalb panisch Angst haben, von innen aufgefressen zu werden. Mir erklärt das die Folge, dass man derart aggressiv, gegen alles was nicht dem eigenen Glauben folgt, vorgeht.

Mich erinnert das an die Kirche. Es gibt Gläubige Menschen, die eine ganz besondere Auslegung der Bibel leben. In der geht es um Frieden, sie finden Veganismus in den Lehren Jesu und viele andere schöne Gedanken. Das selbe gilt für Muslime und Juden. Aber es gibt auch eine reihe von Menschen, die der Existenz wegen zur Gewalt greifen. Die Menschen, bis auf eben jene wenige, die an das Gute in den Schriften glauben, wenden sich ab. Die Institutionen und Terroristen sorgen vielmehr dafür, dass die Ideen abgelehnt werden, ohne das die Masse weiß, was da wirklich drin steht und was es bedeuten könnte. Genauso ist es mit der Ideologie. Vom Politiker bis zur Kulturreferentin, von den Demonstranten bis zu den Geschäftsführern der NGOs und Konzernen, solange sie die Sache mit Gewalt, Cancle Culture, Löschung oder Diskriminierung unterstützen – und sich dabei wohl noch gegenseitig Applaus klatschen – dann schadet es. Die Menschen wenden sich vom System ab, ohne sich noch für den Inhalt zu interessieren. Und die paar wenige, die es dann doch tun, die müssen in einem ganz bestimmten Duktus folgen, sonst sind sie raus. Kein Wunder das Klimawandel und Gendern eher problematisch sind als das sie Konsens werden würden. Es war und ist der Weg, der es zum Scheitern verurteilt hat. Der Misserfolg wird dann anderen in die Schuhe geschoben und mit der Behauptung, es noch totalitärer durchführen zu müssen, wieder aufgenommen. Wie friedlich und harmonisch diese neue Welt doch sein wird… Ähhh, nein, danke!

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Ideologien früher oder später in einen schädlichen Konservatismus fallen, vor allem dann, je patriarchalischer sie organisiert sind. Sie verändern sich dann kaum noch, wollen an dem, was sie sagen festhalten und sind nicht in der Lage Fehler einzugestehen, geschweige sich zu entschuldigen und für den angerichteten Schaden sich zu verantworten. Aus diesen Ideen brechen existentialistische Urinstinkte hervor, die dazu führen, dass man seine Sache mit Gewalt vor dem Untergang bewahren will, in die man es eigentlich selbst hinein manövriert hat. Eine Spirale aus Existenzangst und Unvermögen tut sich auf und reist den Protagonisten mitsamt der Idee in den Abgrund. Am Ende hängt das Ganze am Tropf einer Machtstruktur, die man sich aufgebaut hat, und die es dann gilt zu versorgen, damit man nicht gänzlich in der Versenkung verschwindet. Einen echten Einfluss hat man nicht, das einzige wirken ist es, andere am Leben zu erhalten, die einen dann hoffentlich am Leben erhalten.

Eine solche Idee hat vergessen Rebell zu sein. Vielleicht war sie es selbst. Progressiv, neu, angriffslustig. Nur irgendwann passiert es, man wird Konservativ. Je Älter, desto Konservative, denke ich. Das erkenne ich an mir und an anderen in meiner Umgebung. Konservativ ist keine Idee für sich, konservativ zu werden heißt einfach, dass wir die Dinge lieber so erhalten wie sie sind. Vielleicht weil unser Gehirn an Elastizität verliert? So hat mir erst kürzlich jemand gesagt, er könne die komplexe Welt eh nicht verstehen. Was also für den einen der Gang in den Konservatismus ist, ist für den anderen die Resignation. Nur Resignation steht einer Idee nicht, sie würde vergehen. Auch wenn es in der Natur der Sache läge, unsere konservativen Ideale lassen es einfach nicht zu zu verschwinden und keine Rolle mehr zu spielen.

Alternativen

Eine erster Ansatz für eine Alternative ist eine pluralistische Gesellschaft. Alle Meinungen sind erlaubt und dürfen und müssen geäußert werden. Jeder Mensch wird somit trainiert, gute von schlechten Meinungen zu unterscheiden. Er wird so sozialisiert, dass er die erkennt, die eine Meinung nur eines zwecks wegen haben, welche nur nachgeplappert und somit Fremdmeinungen sind, und wo sich jemand Gedanken gemacht und mehr meint als er ausdrückt. Das ungesagt hören und das gesagt in den richtigen Kontext rücken, dass funktioniert nur, wenn man sehr viele verschiedene Menschen ihre Meinung hat sagen hören.

Veränderungen beginnen im kleinen, bei den Menschen. Sie müssen nicht ideologisch eingetrichtert werden. Durch viel Beten wird der Mensch nicht gläubiger, nur gehorsamer wird. Wenn er aber einsieht, warum man bestimmte Themen angehen sollte, dann wird er. Ihn hält dann auch keine fremde Meinung auf. Die Sachen, die wirklich, rational wie emotional, korrekt sind, finden ihren Weg. Eine solche Kultur hält dann nichts auf. Die vielen Wege, die sich ergeben werden, können nicht alle versperrt werden. Das ist dann sozusagen Sachwarmintelligenz, wenn jeder sich die Gedanken machen darf, die er dazu möchte. Kritiken werden die Sache verbessern, gute Wege ausgebaut und am ende wird man im Konsens etwas neues geschaffen haben, was auf vielen Füßen steht, statt nur auf einem.

Auf der anderen Seite wird es Ideen aber auch Kulturen geben, die einen falschen Weg eingeschlagen haben. In der heutigen Welt wären sie dazu verdammt zu kämpfen. In einer modernen Welt könnten sie einfach vergehen und sich in alle Welt verstreuen. Die Toleranz wäre groß genug, sie aufzunehmen und die ein oder anderen Zweige, die vielleicht wirklich gut waren, zu erhalten und in eine neue Kultur zu integrieren. Menschen, die die Meinung wechseln, sähen sich auch keiner Skepsis mehr gegenüber. Vielmehr würde man den Menschen offen begegnen und signalisieren, dass es noch viele andere Möglichkeiten gäbe, sich einzubringen und zu entwickeln und das Wissen und die Erfahrung aus ihrer Vergangenheit wäre nicht schädlich sondern bereichernd.

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