Ökobilanzen

„zur Erstellung von Ökobilanzen gibt es nicht nur eine Methode. Organisationen können – in Abhängigkeit von der vorgesehenen Anwendung und den Bedürfnissen der Organisation – Ökobilanzen […] flexibel implementieren“. ISO.

Das Chaos ist die Norm. ISO14040 tut genau das, denn um eine Ökobilanz anzulegen gibt es keine Standard, nur den, das es keinen gibt. Ergebnis sind verschiedene Ergebnisse für jede Branche, je nachdem was man eben gerade besser vermarkten kann. So gibt es erlaubte Methoden die ausschließlich den Wasserbedarf messen., andere verbalisieren nur den Umwelteinfluss.

Stand heute

Beim Studium der Situation ist eines klar: Für einen Einzelunternehmer alles nicht machbar. Es ist unverständlich, kompliziert, intransparent und, im harten Wettbewerb, irreführend für den echten Öko.

Abgesehen vom Chaos bleiben ein paar Eckpunkte um die Modelle, die Möglich sind, zu vergleichen. Die Systemgrenze war schon damals ein Thema. Ich hab da noch ein paar mehr gelernt, im ersten Überblick hat sich aber Cadle-to-crave durchgesetzt. Das heißt, die Bilanz bemisst das gesamte Produkt, von der Entstehung bis zur Entsorgung. Klingt gut und ist vor allem den LCA-Verbänden gutzuschreiben, die eben gerne ein Label für jedes Produkt hätten und das geht mit CtC-Modellen am besten.

Gelegentlich tauchen noch Gate-to-Gate-Modelle auf. Sie untersuchen alles was so zwischen Input und Output liegt.

Mit Ökobilanzen zur LCA

  • Es wird Ein- und Ausgang gegenübergestellt
  • Erfasst werden alle eingekauften, verarbeiteten und ausgestoßenen Rohstoffe, Energie, Chemie, Gase, usw.

Klar, fertig ist das nicht, aber ein guter Ansatz. Wir müssen nur unseren Blick erweitern und statt zu denken, dass jede Branche ein eigenes Modell braucht, akzeptieren, dass die selbe Bilanz in unterschiedlichen Branchen unterschiedlich aussieht. Wichtig ist nur das Protokoll, nachdem das ganze Prozedere ablaufen wird.

Wir müssen meiner Meinung nach uns den Geschäftszweck ansehen. Ein Dienstleister hat hier selbstverständlich anderen Input als eine Industriebetrieb. Strom bleibt dennoch Strom und Chemie bleibt Chemie. Wichtig ist zunächst nur die Erfassung aller Daten zu den Materialien. Ja, wenn es um Chemie geht wird es frickelig, manche Branchen sind dann eben so – im Oldschoolkapitalismus wird nicht gejammert und auch keine Politiker angerufen wenn was gemein scheint 🙂

Wenn das ganze mal in ein Protokoll und Format gepresst ist, kommt die eigentliche Arbeit. In einem ebenso abgeschlossenen System wie in Sachen Finanzen und Geldströme können wir alle Verbräuche und Verluste einem einzelnen Produkt zuordnen. Das heißt, jeder Verbrauch, sei es Schmieröl oder Strom, wird an jeder Stelle, an jeder Maschine und mit jeder Bewegung den Stückkosten zugeordnet. Ziel ist es nicht nur den monetären Wert auszuweisen sondern auch den der verwendeten und verschwendeten Rohstoffe. Das Etikett zum Schluss soll über eben jenes Auskunft geben können, vergleichbar mit den Inhaltsstoffen in der Lebensmittelindustrie. Es geht also bereits, nur mit anderen Namen für das Zeichen hinter den Zahlen.

Was fehlt ist noch der Verlust. Also alles was in Wärme aufgeht oder zu Staub zerfällt. Diese Daten können durch entsprechende Filter und Messungen geschätzt werden und letztlich ist auch alles das Verloren, was als Abfall abgegeben und auf natürliche Weiße nicht mehr verwendet werden kann. In Summe sind es dann die Differenz aus Rohstoffeingang und -ausgang.

Diese Different lässt sich dann bewerten. Natürlich ist es schwer. Ich würde auch niemals jeder Pflanze und jedem Tier einen Wert zuordnen. Man kann ja mal seine ganzen Co2-Finger- und Fußabdrücke berechnen lassen, die dann in Summe sicher auch mehr sind als ich wirklich verbrauche. Eine direkte Zuordnung ist nicht möglich.

Finanzen sind was synthetisches und wenn, dann können wir die Kosten, die wir gegenseitig beim Versuch von Forschung und Umweltschutz verursachen, dem zuordnen, was bei der Ökobilanz herauskommt. Wer sich einen Plastikfernseher kauft muss die Plastikentlagerung bezahlen, wer Plastikpallets verwendet muss die verlorenen einsammeln. Und weil CO2 so ein Thema ist: Wer es freisetzt bezahlt das zurückbringen , z.B. durch Humus und der Natur überlassener Biomasse. Simples (Ver-)Ursachenprinzip, sozusagen.

Zwischenfazit

Das kann man bestimmt auch noch in hübsch, dazu fehlt mir aber die Anwendung. Für einen Haushalt ist das heute zudem unbrauchbar, es fehlen zuverlässige Daten was den Resourcenverbrauch eines Produktes angeht, ich hätte es sonst ausprobiert. Der Anfang für eine erfolgreiche Ökobilanz ist in der Industrie und im Handwerk, also dort, wo wirklich gearbeitet wird. Die lasche ISO-Norm scheint mir da unbrauchbar. Vielleicht braucht es was wirklich privates, frei von jeder Euro-vs-ISO-und-sonst-was-Politik.

Nun denn, ich bin noch am gucken, hat sich einiges getan in den letzten Jahren. Mit etwas mehr Praxisnähe mach ich mal was fertig, das Thema interessiert mich seit meinem, aus Langeweile abgebrochenen BWL-Studium – Okok, es war keine Langeweile sondern eher mehr Interesse und ein größerer Wissensdurst als die Schule an Inhalten zur Befriedigung bereitstellt(e) 😉

Wohin ich will ist eine Einteilung der Stoffe und Verbräuche die sowohl eine Zuordnung zum jeweiligen Werkstück ermöglicht, als auch den Betrieb bewertet. Dazu werde ich mich an den gewöhnlichen Geldwerkzeugen orientieren, also Stückkostenrechnung, Bilanzen, GuV, … Nur das statt € und $ es eben um kWh, mg/m³ oder kg geht. Ich denke, ich Physiker hat es da einfacher als irgendein Ökologe oder nom. Die Mittel des allseits beliebten Kapitalismus, aka Marktwirtschaft, kombiniert mit Physik. Auch wenn ich es nicht mag, aber das wird sehr Materialistisch. Am Ende geht es um Atome, Moleküle, also die kleinsten Bausteine unserer Welt, die wir uns ansehen müssen. Nicht mehr und nicht weniger.

Ziel ist ein Etikett wie ein Preisschild, so dass jeder Konsument, jeder Verbraucher, im Grunde jeder Mensch sehen kann, was er da kauft, auch im Hinblick auf eine Ökobilanz, mit der er ansonsten nichts am Hut haben muss oder haben sollte. Wenn Wissenschaft und Technik scheiße baut, dann liegt das nicht am Konsumenten, der wünscht nur. Aktiv werden andere und die müssen Verantwortung übernehmen. Tun sie nicht, vielleicht wegen des überbordenden Narzismus und dem fakt das nur Psychopathen Unternehmens- und Politiklenker werden. Mehr Denker statt Lenker, mehr Pragmatik statt Dogmatik 😉

Am Ende bleibt es aber beim Konsumenten, der die Entscheidung trifft. Damit er dies tun und zum wohle aller tun kann ist aber nicht nur die Wirtschaft gefordert, die macht sich längst Gedanken. Auch der Bürger und der Bauer, Menschen die keine Lenker sondern Macher und Denker sind, braucht eine entsprechendes Bewusstsein für seine Umwelt. Diese herzubringen schafft das Bildungswesen, welches sich heute in Händen der Lenker (Politiker) und Hänker (Christen) befindet. Und nur diese finden das toll. Normale Menschen wissen das das, was gemacht wird, nicht der Bildung dient!

Es wird also eine Arbeit für beide Seiten, den Menschen selbst: Bildung, was der Staat zuvor verpfuscht hat muss man zusätzlich zu Steuern und Verwaltungskram selbst erledigen; und auf der anderen Seite muss die Wirtschaft ein gutes Mittel finden fair den Menschen zu informieren. Politik sehe ich hier nicht, sie wird bestenfalls die schlechteste bereitgestellt Lösung nehmen, wie beim Biosiegel das endlich 5% Gift – oder wie sage 5% Raum für seine Freunde – im Ökoessen legalisiert. Es kann kein Weg sein, wieder jene Menschen zu Fragen, die für die Situation verantwortlich sind, deren Lösung nun unser Problem ist. Oder Nach Watzlawik: Wenn die Lösung das Problem ist… Wir sollten also nicht wieder nach den Problemmachern rufen sondern es selbst in die Hand nehmen. Das dauert etwas, dafür wird es am Ende ein Konsens und kein Diktat.

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