Subjektivismus

Nachdem ich bereits den Objektivismus wegen seines unmenschlichen Charakters indirekt kritisiert habe, stellt sich die Frage, ob es einen Gegenspieler gibt und ob dieser uns Menschen zuträglicher ist. Und, wie soll es klassischer Weiße auch ohne Dichotomie gehen, natürlich gibt es den: Den Subjektivismus.

Was ist Subjektivismus eigentlich?

Beim Subjektivismus geht es um uns, eigentlich um das Selbst. Man kann sich fragen, was wir wahrnehmen und erfahren können oder auch was wir fühlen und warum. Wir wird die Qualia der Dinge wahrnehmen ist rein subjektiv. Durch unsere Sprache sind wir aber in der Lage diese zu äußern und so sicherstellen, ob das, was wir subjektiv wahrnehmen auch tatsächlich als Wirkung existiert. Es wird Intersubjektiv.

Im Subjektivismus beschäftigen wir uns, aus meiner Perspektive, also mit uns selbst. Es geht weniger darum was anderen oder alle etwas tun sollten, um ein besseres Leben zu führen oder welcher Moral und welcher Ethik zu folgen sei. Wenn, dann geht es darum, was es mit uns macht und wir schließen daraus, ob wir es mit uns machen lassen.

Das Subjekt und der Idealismus

Subjektivismus heißt nicht idealistisch, wenngleich manche beiden Ideen anhängen. Als Subjektivist bin ich nicht automatisch der Meinung, alle Dinge seien bereits in uns und wir damit immer in der Welt, sondern man ergründet auf meditative Art oder, wie man auch sagt, in Meditationen, sich und die formelle Welt „da draußen“. Idealismus wäre es, wenn wir der Meinung unterlägen, dass unsere Ideen die Welt erzeugen – anstatt sie anzuschauen – und somit, sozusagen, in einer eigenen kleinen privaten Matrix lebten 🙂

Die Nähe der beiden Strömungen liegt sicherlich daran, dass es in beiden Fällen um sehr liberale Philosophien sind. Nichts ist so vielfältig wie die Meinungen und in beiden Fällen beginnt man mit Meinungen. Ob ich nun der Meinung bin, dass Gott oder Staat unser aller Leben führen sollte oder ob Blau oder Rot die schönere Farbe sei. Das es in diesen Fragen nicht die eine Wahrheit gibt, sollte jeder verstehen. Das heißt auch, dass man mit anderen Menschen und Meinungen umgehen können muss. Niemand muss sich unterordnen und hat auf seine Art und Weiße recht. Ohne diese liberalen Grundwerte würde weder der Subjektivismus, noch der Idealismus funktionieren.

Daraus folgt auch, dass Idealismus subjektiv ist und Subjektivismus idealistisch. Es gibt weder ein objektiv besten Idealismus – auch wenn manche immer wieder davon Überzeugt sind und das lautstark auch so immer und jeden mitteilen – noch eine Liste, eine Mechanik oder sonst irgendetwas materialistisches, welches der Subjektivismus dann ist.

Das Subjekt in der Wissenschaft

Um mit meinem Fazit zu beginnen: Subjektive Wissenschaft ist nicht möglich. Aber…

Um die Welt letztlich zu verstehen oder zumindest ansatzweise erklären zu können, ist es notwendig, dass wir uns, das Subjekt, aus den Gleichungen streichen. Da wir die formale Welt mit unseren Gedanken nicht erschaffen, ist es auch ratsam, uns aus der Erklärung dieser Welt auszuklammern. Das wir das aber nicht selbst tun können, gibt es in der objektiven Wissenschaft die Bedingung, dass alles reproduzierbar sein muss. Soweit, so gut.

Nun hängen aber einige Wissenschaftler und Philosophen den Gedanken anheim, die Philosophie müsste sich der Wissenschaft unterordnen und ihr dienen, sozusagen das erkannte und die darauf folgenden Theorien zu verarbeiten. Sie sollen also nicht mehr mit neuen Ideen neue Wissenschaften erfinden sonder die Ideen anderer verbreiten. Dabei sehe ich allerdings den Philosophen als das Subjekt, dass seine, stets subjektive Meinung formuliert. Er ist das Subjekt, dass die Phänomene und Muster erst wahrnimmt und zu einer These formt. Ohne Subjekt ist demnach keine objektive Wissenschaft möglich.

Und was ist, wenn wir eine Wissenschaft als Subjekt betrachten. In vielen Wissenschaften reden wir heute von einem Expertenwissen welches für Außenstehende kaum noch zu verstehen ist. Das jeweilige Subjekt hat einen Satz von abgeschlossenen Systeme, in die niemand aus den anderen Wissenschaften hineinreden darf, sonst bricht das Konstrukt zusammen. Trägt die Wissenschaft als ganzes somit zur Spaltung von Objekt und Subjekt bei weil sie in ihren Disziplinen und in aktueller Tradition keine Objektivität verarbeiten kann?

Objekt vs. Subjekt

Wir sehen also, dass das Subjekt dem Objekt vorangestellt ist. Das heißt aber nicht, dass die formale Welt ohne Beobachter nicht existiere. Das tut sie schon. Das sie Ist, liegt am Subjekt, dass diese erkennt und informell Beschreibt und somit aus dem Sein zum Ist führt.

Das Subjekt formuliert nicht nur die Welt, es entwickelt auch Ideale wie Götter, Staaten, Kollektive, Moral und Ethik, die durch sein Handeln und dogmatischen festhalten zu echten Objekten werden, die intersubjektive Charaktere besitzen und untersucht werden können. Nur weil viele Subjekte an das selbe glauben, wird es nicht – wie eben dargestellt – real. Erst das sie sich dem unterordnen und so handeln, wie es die Regeln vorschreiben, wird daraus ein eigenes und unabhängiges Subjekt.

Andersherum sind es die Objekte der Umwelt, die Einflüsse und Gegebenheiten, die das Subjekt formen. Da Subjekt, egal ob nun Mensch oder Tier, wäre nicht das, was es ist, wenn es keine Einflüssen von außen gegeben hätte und auch jetzt aktuell gibt. Die objektive Welt ist die Luft, die wir, das Subjekt, zum Atmen brauchen. Was hätten wir zum staunen, gäbe es um uns herum nichts?

Einen Graben zwischen Objekt und Subjekt gibt es nicht, er wird gemacht. Der Graben ist in unserer holistischen Welt nur hinderlich. Objekt und Subjekt bedingen einander. Die Frage ist nur, und dass soll jeder selbst entscheiden, welchen Objekten der Umwelt wir uns fügen, und welcher nicht. Informelle Objekte, wie Gott und Staat, sollte es aus meiner libertären bis anarchistischen Sicht, nicht sein. In der Vergangenheit haben wir gesehen, wie diese Objekte sich entwickeln, da sie sich nicht selbst und jedes System innerhalb jemals irgendwie Verantworten müssen.

Es sollte aber auch nicht die Welt ans sich sein, die wir uns Untertan machen sollten. Alles auf diesem Planeten hat sein eigenes Recht. Wir sind nur ein Teil dessen. Zu sagen, wir wären besser, nur weil wir Dingen Namen geben können, und dass wir die formale Welt ausbeuten könnten, halte ist nur für ein weiteres willkürliches Handeln einer narzisstischen Idee.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.