Von Nietzsche zum Menschen

Was soll man sagen. Manche halten ihn für einen ganz Tollen. Dem kann ich aber nicht zustimmen. Sein Menschenbild ist verachtend. Das kommt allerdings nicht daher, dass er ein besonders guter Beobachter ist, sondern aus seiner Umwelt und wie diese auf ihn eingewirkt hat.

Seine Schwester soll, so hört man, eine narzisstische Persönlichkeit gewesen sein. Nietzsche hat darunter gelitten und sie letztlich nie emanzipieren und befreien können. Dass aus diesem permanenten psychischen Terror ein derart verschobenes Menschenbild entsteht, wundert mich nicht. Sicher hätte er, ohne diese Einwirkung auf seine Gefühle, anders gedacht und anders geschrieben.

Ob nun Menschen gut oder böse sind, ist wie die Frage danach, ob das Glas halb voll oder halb leer sei. Je nach den eigenen Erfahrungen und den Umweltbedingungen und der aktuellen Situation, mag man mal so und mal so denken. Letztlich sagt die Antwort darauf, ob Menschen gut oder böse seien, nichts objektiv über die Menschen aus, sondern vielmehr auf das Innenleben des Urteilenden.

Mag es zu Zeiten Nietzsches eher um einzelne Individuen gehandelt haben, die dem Narzissmus unterlegen waren, so ist es heute die Gesellschaft an sich. Die Art und Weiße, wie manche mit anderen umgehen, wie sie diese Denunzieren oder Ausgrenzen, also mit psychiatrischer Erpressung und Gewalt strafen, zeigt deren Charakter deutlich. Die Ursache möchte ich gar nicht ergründen. Wichtiger sind mir die Folgen, derer es genau zwei gibt.

In der einen lassen sich Menschen von diesem narzisstischen Kollektiv einschüchtern und erpressen. Diese Menschen geben sich auf und sie suchen die Schuld für etwaiges Misslingen bei sich. Sie lassen sich vom Gaslightning blenden. Sie werden nicht aus ihrem Gefängnis ausbrechen. In diesen Menschen ist der ideale Nährboden für eine Menschenverachtende Philosophie gelegt und der ein oder andere wird ins handeln kommen und so, wie man auf ihn einwirkte, auf andere einwirken. Je mehr Wut und Hass sich aufgrund seiner eigenen Unfähigkeit zu Emanzipation und seiner selbst erlernten Hilflosigkeit anstauen, desto dogmatischer wird er jedes Narrativ glauben schenken, dass man ihn als Ursache, und damit als Projektionsfläche vorlegt.

Die andere Folge ist die, dass der Mensch, der in die Fänge – also alle Menschen kommen heute in diese Fänge… – dieser Gesellschaft geraten ist, sich befreit und gegen diese Bevormundung und Gewalt stellt. Das sind Menschen mit Empathie und einem kritischen Geist, die eben nicht jede Kritik sich gefallen lassen und vor allem dann hellhörig werden, wenn die Kausalverhalten einseitig dargestellt werden. Das sind die Menschen, die aufstehen, die den Mund aufmachen und die vor allem die Grundlage legen können, dass die Welt zu einem friedlicheren Ort wird, als sie jetzt ist. Sie hegen keinen Groll, bestenfalls gegen ihre Peiniger und in der Regel nur in der Absicht sich selbst zu verteidigen. Denn diese Menschen wissen wie es ist angegriffen zu werden und werden es tunlichst unterlassen anderen dies anzutun. Das ist die wahre Art des Menschen, wenn er von allen negativen Wirkungen auf ihn frei ist.


Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.

Kant

Das passt noch immer, nur das die moderne Aufklärung keine Philosophie mehr ist, sondern vielmehr eine Therapie. Die Philosophie hingegen dürfte in dieser Epoche die Aufgabe des Therapeuten erfüllen. Sie muss die Ursachen didaktisch vermitteln und, wenn der Mensch willig ist, Auswege aus der Situation aufzeigen. Mir fehlen allerdings, wie bereits erwähnt, die wohlwollenden Angebote, um ins handeln zu kommen.

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